Quartsextakkord
Zweite Umkehrung: die Quinte liegt im Bass. Gilt als klärungsbedürftig und steht oft vor der Kadenz.
Was es bedeutet
Der Quartsextakkord ist die zweite Umkehrung eines Dreiklangs: Die Quinte liegt im Bass, darüber stehen Grundton und Terz im Abstand einer Quarte und einer Sexte zum Bass — daher der Name. In der Generalbassbezifferung wird er mit 6/4 bezeichnet.
Musikalische Verwendung
Wegen der Quarte über dem Bass, die im strengen Satz als dissonant behandelt wird, gilt der Quartsextakkord als klärungsbedürftig: Er steht nicht frei, sondern verlangt eine bestimmte Umgebung. Drei Verwendungen sind üblich.
Der Kadenzquartsextakkord ist die wichtigste. Er erscheint vor der Dominante auf betontem Taktteil, und seine Oberstimmen lösen sich schrittweise abwärts auf — die Sexte in die Quinte, die Quarte in die Terz —, während der Bass liegen bleibt. Funktionstheoretisch wird er deshalb nicht als Tonika in Umkehrung gedeutet, sondern als Dominante mit doppeltem Vorhalt und entsprechend bezeichnet. In Konzertsätzen steht an dieser Stelle häufig eine Fermate, nach der der Solist die Kadenz spielt.
Der Durchgangsquartsextakkord entsteht, wenn der Bass stufenweise zwischen zwei Lagen desselben Klangs wandert und der Quartsextakkord auf leichtem Taktteil dazwischen liegt. Der Wechselquartsextakkord oder Pendelquartsextakkord schließlich entsteht über liegendem Bass, wenn die Oberstimmen kurz ausweichen und zurückkehren.
In allen drei Fällen wird im vierstimmigen Satz üblicherweise der Bass verdoppelt.
Man unterscheidet mehrere Arten: den Kadenzquartsextakkord, der als Vorhalt vor der Dominante steht, den Durchgangsquartsextakkord zwischen zwei Lagen desselben Akkords und den Wechselquartsextakkord über liegendem Bass. In der Funktionstheorie wird der Kadenzquartsextakkord als Doppelvorhalt der Dominante verstanden, notiert D mit 6/4 und 5/3. Im Solokonzert der Klassik steht er häufig unmittelbar vor der Solokadenz, die ihn verlängert, bevor das Orchester mit der Dominante weiterführt. ## Spielpraxis
Gib dem Kadenzquartsextakkord Gewicht und lass ihn in die Dominante auflösen — er ist Spannung, nicht Ruhepunkt. Führe die Oberstimmen schrittweise abwärts. Und verwende ihn beim eigenen Harmonisieren nie beiläufig: Er verlangt eine Fortsetzung, und ohne sie klingt der Satz unfertig.