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Theorie

Realisation

Realisation, auch Aussetzung genannt, heißt: Aus einem bezifferten Bass werden ausgeschriebene Akkorde. Im Barock stand oft nur die Basslinie mit Ziffern im Notenblatt, und der Spieler füllte die Akkorde dazu selbst aus. Dieses Ausfüllen nennt man Realisation.

Bedeutung
Akkorde zu einem bezifferten Bass ausschreiben oder spielen
Auch
Aussetzung
Notiert ist
Basslinie plus Ziffern
Nicht zu verwechseln mit
römischer Stufenbezifferung

Aus Ziffern werden Akkorde

Der Generalbass war im Barock die verbreitete Schreibweise für Begleitung. Der Komponist notierte die Basslinie und setzte Ziffern darüber, die anzeigen, welche Intervalle über dem Basston erklingen sollen. Der Spieler, etwa am Cembalo, der Orgel oder der Laute, setzte daraus die Akkorde zusammen. Das Aussetzen verlangt, dass man Akkorde und ihre Umkehrungen kennt, denn die Ziffern geben nur den Bass und die Intervalle an, nicht die Lage der übrigen Töne.

Bass und Aussetzung: I–V6–I

4 4

Jeder Akkord enthält unten die Basslinie (c, h, c) und darüber die ausgesetzten Töne. Beim ersten und dritten steht keine Ziffer, also ein Dreiklang in Grundstellung. Beim zweiten steht die Ziffer 6, also ein Sextakkord über h.

Wie man die Ziffern liest

Keine Ziffer heißt: Dreiklang auf dem Basston, also Terz und Quinte über ihm. Die Ziffer 6 bedeutet: Es erklingt die Sexte über dem Bass, und die Terz ist, wenn nichts anderes steht, mitgemeint. Das ist ein Sextakkord, der Dreiklang in der ersten Umkehrung. Die Tabelle zeigt die drei Akkorde des Beispiels.

BassZiffer im NotenblattBedeutungAusgesetzte Töne
ckeineDreiklang auf dem Basstonc, e, g, c
h6Terz und Sexte über dem Bass (Sextakkord)h, d, g, d
ckeineDreiklang auf dem Basstonc, e, g, c

Auf dem Weg zum fertigen Satz trifft der Spieler Entscheidungen: Welche Töne er verdoppelt, in welcher Lage er die Oberstimmen führt und wie sich die Stimmen von Akkord zu Akkord bewegen, möglichst in Schritten und mit Gegenbewegung. Das Beispiel zeigt eine von mehreren möglichen Lösungen.

Realisation und Stufenbezifferung

Die Seite Bezifferung erklärt die römische Stufenbezifferung: Römische Ziffern bezeichnen die Akkorde nach ihrer Stufe in der Tonart. Beim Generalbass stehen dagegen arabische Ziffern über der Basslinie, die Intervalle zählen. Die Stufenbezifferung sagt, auf welcher Stufe der Tonart ein Akkord steht; die Generalbassziffer sagt, wie er über dem Bass gebaut ist. Beide Schreibweisen können nebeneinander gelten.

Selbst ausprobieren: Spiele die Basslinie des Beispiels c, h, c mit der linken Hand und setze mit der rechten die Töne dazu. Dann verändere die Lage der rechten Hand und höre, wie sich der Klang ändert, ohne dass sich der Akkord ändert. Wie ein Dreiklang gebaut ist, übst du in Akkorde bauen.

Häufige Fehler

  • Die Ziffer als Tonname lesen: Sie zählt Intervalle über dem Bass, sie benennt keinen Ton.
  • Die Terz vergessen, wenn nur 6 dasteht: Sie ist, wenn nichts anderes verlangt wird, mitgemeint.
  • Realisation und Stufenbezifferung vermischen: Die römischen Ziffern stehen unter oder über dem Bass für Stufen, nicht für Intervalle.