Sextett
Werk für sechs Spieler.
Was es bedeutet
Ein Sextett ist ein Werk für sechs solistisch besetzte Stimmen und zugleich das ausführende Ensemble. Die verbreitetste Besetzung ist das Streichsextett aus zwei Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli; daneben stehen Bläsersextette, gemischte Besetzungen mit Klavier oder Bläsern und Streichern sowie Vokalsextette. In der Oper bezeichnet der Begriff ein Ensemble für sechs Singstimmen.
Musikalische Verwendung
Das Streichsextett erweitert das Quartett um je eine Viola und ein Violoncello und gewinnt dadurch eine dunklere, vollere Mittellage. Das erlaubt einen Satz, der beinahe orchestral wirkt, ohne die Durchsichtigkeit der Kammermusik zu verlieren; zugleich können die Stimmen in zwei Gruppen geteilt werden, die einander gegenübertreten. Zu den bekanntesten Streichsextetten zählen die beiden von Johannes Brahms, B-Dur op. 18 und G-Dur op. 36, Arnold Schönbergs Verklärte Nacht op. 4 (1899) und Peter Tschaikowskys Souvenir de Florence op. 70. Gemischte Sextette mit Bläsern nutzen dagegen den Kontrast der Farben. In der Oper dient das Ensemble dazu, mehrere Figuren gleichzeitig sprechen zu lassen, ohne die Handlung anzuhalten — die Stimmen äußern verschiedene Haltungen zur selben Lage. Ein berühmtes Beispiel ist „Chi mi frena in tal momento“ im zweiten Akt von Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor (Neapel 1835).
Spielpraxis
Kläre die Aufstellung so, dass alle einander hören; bei sechs Spielern ist das nicht selbstverständlich. Probe in Teilgruppen, etwa je zu dritt oder als Quartett mit den beiden Zusatzstimmen, bevor du zusammenführst. Lege Einsätze und Tempowechsel ausdrücklich fest, da meist ohne Leitung gespielt wird. In Opernensembles gilt: Textdeutlichkeit und Rhythmus vor individueller Gestaltung.
Die fünfte und sechste Stimme machen den Satz dichter: Was im Quartett durchsichtig wirkt, kann im Sextett verschwimmen, weil die verstärkte Mittellage viel Klang bindet. Richte die Balance deshalb sorgfältig ein, lass der Oberstimme Raum und höre gezielt auf die jeweils führende Stimme. Prüfe, ob eine Stimme in der Partitur geteilt ist, weil sich daraus die Zahl der benötigten Spieler ergibt.