Zart
Sanft, delicato.
Was es bedeutet
Zart ist die deutsche Entsprechung zu delicato und verlangt einen behutsamen, feinen Vortrag: leiser Ton, sanfter Ansatz, zurückhaltende Betonungen, feine dynamische Abstufungen.
Gemeint ist mehr als geringe Lautstärke. Zartheit entsteht aus der Art des Ansatzes und aus der Zurückhaltung in allen Mitteln. Ein leises, aber hartes Spiel erfüllt die Anweisung nicht.
Innerhalb der Wörter für Sanftheit liegen die Unterschiede in der Färbung. Süß meint die liebliche Weichheit, sanft die Milde, zart die Feinheit und Zerbrechlichkeit. Von leicht, das Schwerelosigkeit verlangt, unterscheidet sich zart dadurch, dass es auch in ruhiger Musik gilt, während Leichtigkeit meist mit Bewegung verbunden ist.
Im Notenbild
Das Wort steht über dem System, in deutschsprachigen Ausgaben anstelle von delicato, und gilt bis zu einer neuen Angabe. Häufig findet es sich zusammen mit leiser Dynamik, hoher Lage und dünnem Satz.
Musikalische Verwendung
Verwendet wird die Bezeichnung in Liedern, in lyrischen Klavierstücken, in Mittelteilen und in Abschnitten, deren Wirkung aus der Feinheit entsteht. In der deutschsprachigen Musik des 19. Jahrhunderts gehört sie zu den häufigen Vortragswörtern, oft in Verbindungen wie „sehr zart" oder „zart und innig".
Streicher spielen dafür mit wenig Druck nahe am Griffbrett, Pianisten mit leichtem Anschlag, Bläser mit weichem Ansatz.
Spielpraxis
Halte den Ton gestützt: Zart heißt kontrolliert, nicht kraftlos. Achte auf einen weichen Ansatz und vermeide Akzente. Gestalte mit sehr kleinen dynamischen Abstufungen. Halte die Linie über alle Pausen hinweg gespannt, denn der Ton muss trotz geringer Lautstärke tragen und darf nicht brüchig werden. Und prüfe im Raum, ob die Feinheiten ankommen — was am Instrument differenziert klingt, kann im Saal untergehen.