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Vortrag

Süß

Lieblich, dolce.

Was es bedeutet

Süß ist die deutsche Entsprechung zum italienischen dolce und verlangt einen lieblichen, weichen Vortrag. Gemeint ist ein Klang ohne Härte: runder Ansatz, gebundene Linien, zurückhaltende Dynamik, kaum merkliche Betonungen.

Die Angabe betrifft die Tongebung und den Ausdruck, nicht das Tempo. Sie wirkt sich jedoch mittelbar aus, weil ein süßer Vortrag keine Eile verträgt.

Innerhalb der Wörter für Sanftheit liegen die Unterschiede in der Färbung. Zart meint Feinheit, sanft Milde, süß die liebliche, angenehme Weichheit. Die Steigerung ist sehr süß, italienisch dolcissimo.

In der Übersetzung wirkt das deutsche Wort heute ungewohnt; im Notentext ist es dennoch eine gebräuchliche und genaue Angabe.

Im Notenbild

Das Wort steht über dem System, in deutschsprachigen Ausgaben anstelle von dolce, und gilt bis zu einer neuen Angabe. In Klaviernoten kann es über einer einzelnen Stimme stehen und bezeichnet dann, welche Linie besonders weich zu führen ist.

Musikalische Verwendung

Verwendet wird die Bezeichnung in lyrischen Abschnitten, in Nebenthemen, in Liedern von zartem Charakter und in Schlusswendungen, die weich ausklingen sollen. In der deutschsprachigen Musik des 19. Jahrhunderts steht sie häufig dort, wo Komponisten die italienischen Begriffe bewusst meiden.

Deutsche Vortragsangaben dieser Art finden sich vor allem im Kunstlied des 19. Jahrhunderts. Sie steht in deutschen Partituren der Romantik, besonders in Liedern und Charakterstücken. Die Artikulation ist gebunden, die Dynamik meist leise, das Tempo ruhig. Harte Akzente und scharfe Einsätze widersprechen dem Charakter. Der Ton soll warm und singend sein, getragen von einem gleichmäßigen Legato. Dabei ist darauf zu achten, dass die Süße nicht kitschig oder kraftlos wird: Auch ein zarter Ausdruck braucht Spannung, Richtung und eine klare Phrasierung, damit die Melodie ihren Bogen behält. ## Spielpraxis

Achte auf den Ansatz jedes Tons: Weichheit entsteht dort und nicht in der Lautstärke. Vermeide Akzente und führe die Übergänge sorgfältig. Halte die Begleitung leise und gleichmäßig. Und halte den Ton tragfähig — lieblich heißt nicht schwach.