Zungenpfeife
Orgelpfeife mit Zunge.
Was es bedeutet
Bei einer Zungenpfeife entsteht der Ton nicht an einer Schneidkante, sondern durch ein schwingendes Metallblatt. Die Zunge liegt auf einer Kehle und wird vom Wind in Bewegung versetzt; sie unterbricht den Luftstrom periodisch, und der aufgesetzte Schallbecher formt den Klang. Eine Krücke oder Stimmdraht legt fest, welcher Teil der Zunge frei schwingt, und bestimmt damit die Tonhöhe. Die zweite große Gruppe der Orgelpfeifen sind die Labialpfeifen, bei denen die Luft an einer Kante gebrochen wird.
Musikalische Verwendung
Zungenregister liefern die kräftigsten und schärfsten Farben der Orgel: Trompeten, Posaunen und Schalmeien geben dem vollen Werk Glanz und Durchschlagskraft, leise Zungenstimmen dienen als charakteristische Solofarben. In der französischen Orgeltradition bilden sie eine eigene, benannte Gruppe, auf der ganze Satztypen beruhen. Weil ihr Klang obertonreich ist, verschmilzt er weniger als der von Flöten und Prinzipalen; er wird deshalb gezielt eingesetzt, entweder als Solo oder als Krone über einer tragenden Grundlage. Ihre Empfindlichkeit gegenüber Temperatur ist größer als die der Labialpfeifen.
Spielpraxis
Rechne damit, dass Zungenregister schneller verstimmen als das übrige Werk, besonders wenn sich die Raumtemperatur ändert; prüfe sie vor wichtigen Aufführungen und lass sie gegebenenfalls nachstimmen. Registriere sie mit ausreichender Grundlage, sonst klingen sie nackt und aufdringlich. Vermeide es, viele tiefe Zungenstimmen zugleich lange zu halten, weil das an manchen Instrumenten den Wind belastet. Melde klemmende oder heulende Pfeifen dem Orgelbauer mit Angabe von Register und Ton, statt selbst in die Mechanik einzugreifen.
Zungenstimmen unterschiedlich schnell ansprechen als Labialpfeifen: In schnellen Passagen kann das zu einem hörbaren Versatz führen, weshalb dort eine ruhigere Artikulation hilft. Prüfe das an dem Instrument, auf dem du spielst. Rechne bei Temperaturänderungen mit rascher Verstimmung und lass die Zungen vor wichtigen Aufführungen nachstimmen. Registriere sie über einer tragfähigen Grundlage, damit der Klang nicht nackt wirkt, und vermeide lange gehaltene tiefe Zungenklänge, wenn die Windanlage darauf empfindlich reagiert.