Accordatura
Vorgeschriebene Standardstimmung eines Saiteninstruments.
Was es bedeutet
Accordatura bezeichnet die normale, für ein Instrument gültige Stimmung seiner Saiten. Bei der Violine sind das die reinen Quinten g–d'–a'–e'', bei der Viola c–g–d'–a', beim Violoncello C–G–d–a und beim Kontrabass die reinen Quarten E'–A'–D–G. Der Begriff wird vor allem dann gebraucht, wenn er einer Abweichung gegenübersteht: Nach einem Abschnitt in Skordatur fordert die Anweisung die Rückkehr zur gewohnten Stimmung.
Im Notenbild
Am Beginn eines Werkes oder Satzes kann die Stimmung als kleine Notengruppe ohne Rhythmus angegeben sein — vier Ganze, die die leeren Saiten zeigen. Steht dort die übliche Folge, handelt es sich um die Accordatura; weichen einzelne Töne ab, liegt Skordatur vor, und der Spieler muss vor dem Satz umstimmen. Bei Rückkehr zur Normalstimmung genügt im Notentext das Wort selbst.
Musikalische Verwendung
Die Accordatura ist mehr als eine technische Voreinstellung: Sie bestimmt, welche Tonarten bequem klingen. Weil leere Saiten besonders tragend und obertonreich ansprechen und weil Doppelgriffe in Quinten- oder Quartenabständen leicht fallen, klingen D-Dur, G-Dur oder A-Dur auf der Violine offener als etwa Es-Dur. Komponisten rechnen damit, wenn sie ein Solokonzert in eine bestimmte Tonart setzen. Auch Resonanz gehört dazu: Ein gegriffenes d' lässt die leere d-Saite mitschwingen, was den Ton voller macht.
Spielpraxis
Stimme immer von der a-Saite als Bezug aus und prüfe die Quinten anschließend im Doppelgriff, nicht nur einzeln — erst dann hörst du wirklich, ob sie rein sind. Achte darauf, dass die Feinstimmer nicht bis zum Anschlag ausgedreht sind, sonst hast du in der Probe keine Reserve. Nach jedem Umstimmen braucht eine Saite Zeit, sich zu setzen; kontrolliere die Accordatura deshalb kurz vor dem Auftritt erneut. Hat ein Werk einen Skordatur-Abschnitt, plane die Stelle des Umstimmens mit ein: Sie muss lang genug sein, und ein zweites, bereits umgestimmtes Instrument ist die ruhigere Lösung.
die Saitenstärke zur vorgeschriebenen Stimmung passen muss: Wer Saiten mit hoher Spannung aufzieht und dann tiefer stimmt, bekommt einen matten, schlecht ansprechenden Ton. Im Ensemble richtet sich alles nach dem vereinbarten Stimmton, der in der Alten Musik tiefer liegen kann als der heute übliche; kläre ihn vor dem ersten Zusammenspiel. Bei Kälte sinkt die Stimmung, bei Wärme steigt sie, und die Saiten reagieren dabei unterschiedlich schnell — stimme deshalb im Aufführungsraum und nicht im Garderobenraum.