Antiphon
Liturgischer Kehrvers, der einen Psalm umrahmt.
Was es bedeutet
Eine Antiphon ist ein kurzer liturgischer Gesang, der einen Psalm oder ein Canticum umrahmt: Er wird vor dem Psalm angestimmt und nach ihm wiederholt. Der Text der Antiphon greift meist ein Motiv aus dem Psalm auf oder deutet ihn im Licht des jeweiligen Kirchenjahresfestes um, sodass derselbe Psalm je nach Antiphon einen anderen Akzent erhält.
Antiphonen gehören zu den ältesten Bestandteilen des christlichen Gottesdienstes und sind vor allem im Stundengebet (Officium) der katholischen und orthodoxen Kirche sowie in der Messe verbreitet. Berühmt sind die vier marianischen Schlussantiphonen des Stundengebets, darunter Salve Regina.
Im Notenbild
In gregorianischen Choralbüchern stehen Antiphonen mit eigener Melodie über dem zugehörigen Psalmton notiert, meist in Quadratnotation auf vier Linien. Die Melodie der Antiphon bestimmt dabei häufig auch, in welchem der acht Kirchentöne der folgende Psalm gesungen wird.
Musikalische Verwendung
Ursprünglich bezeichnete Antiphon vermutlich den wechselweisen Gesang zweier Chöre oder eines Vorsängers mit der Gemeinde; im heutigen liturgischen Sprachgebrauch meint der Begriff aber vor allem das feststehende Rahmenstück um den Psalm, unabhängig davon, ob es von einer oder mehreren Gruppen gesungen wird.
Abzugrenzen ist die Antiphon deshalb vom Adjektiv antiphonal, das die Aufführungspraxis im Wechsel zweier Klanggruppen bezeichnet und nicht an eine bestimmte Gattung gebunden ist. Vom Responsorium unterscheidet sich die Antiphon dadurch, dass beim Responsorium ein Solist vorträgt und die Gemeinde mit einem gleichbleibenden Ruf antwortet, während die Antiphon den Psalm als Ganzes umrahmt. Die Sammlung der Antiphonen und übrigen Gesänge des Stundengebets ist im Antiphonar zusammengestellt.
Spielpraxis
Achte beim Singen einer Antiphon darauf, wie ihr Text den folgenden Psalm deutet, und gestalte den Übergang zwischen Antiphon und Psalmton bewusst, damit die Wiederholung der Antiphon am Ende als Rahmen hörbar wird. Höre in älteren Choralaufnahmen nach, wie unterschiedlich derselbe Psalmton je nach vorangestellter Antiphon eingefärbt klingt.