Assai
„Sehr“, verstärkt das nachfolgende Tempowort.
Was es bedeutet
Assai heißt „sehr" und verstärkt das Wort, zu dem es tritt. Allegro assai verlangt also ein Tempo deutlich über einem gewöhnlichen Allegro, Adagio assai eine ausgeprägte Langsamkeit. Das Wort steht nie allein, sondern immer als Zusatz.
Daneben gibt es eine ältere Lesart: Manche Komponisten des 18. Jahrhunderts gebrauchten assai im Sinne von „ziemlich“, was die Angabe abschwächen statt verstärken würde. Heute wird das Wort in der Regel verstärkend verstanden.
Zu unterscheiden ist assai von molto, das ebenfalls „sehr" bedeutet; ob eines der beiden stärker wirkt, wird von Komponist zu Komponist verschieden gehandhabt. Das Gegenstück ist poco, „ein wenig". Einschränkend wirkt ma non troppo.
Im Notenbild
Das Wort steht kursiv hinter dem Tempo- oder Charakterwort, über dem ersten System eines Satzes oder Abschnitts, und wird Teil des Satznamens. Es tritt auch zu Vortragsbezeichnungen, etwa in cantabile assai.
Musikalische Verwendung
Verstärkende und einschränkende Zusätze gehören seit dem Barock zum Bestand der Tempobezeichnung. Sie erlauben es, mit wenigen Grundwörtern feine Abstufungen auszudrücken, ohne neue Begriffe einzuführen. In der Wiener Klassik sind sie besonders häufig; dort kann derselbe Satztyp je nach Zusatz sehr verschieden ausfallen.
Beide Verstärkungen können im selben Werk stehen: In Mozarts Sinfonie g-Moll KV 550 (1788) ist der Kopfsatz mit Molto allegro überschrieben, das Finale mit Allegro assai. Johann Joachim Quantz bemerkte 1752 in seinem Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen, ein Allegro assai sei früher kaum schneller gespielt worden als zu seiner Zeit ein Allegretto.
Spielpraxis
Lies die Überschrift vollständig, bevor du das Tempo wählst: Der Zusatz verändert es oft stärker als das Grundwort. Prüfe, ob das verstärkte Tempo an der dichtesten Stelle des Satzes noch trägt. Und halte den gewählten Grad über den ganzen Satz durch, statt ihn nur zu Beginn zu zeigen.