Aufstrich
Aufwärtsbewegung des Bogens, Symbol V.
Was es bedeutet
Der Aufstrich führt den Bogen von der Spitze zurück zum Frosch. Er ist die Gegenbewegung zum Abstrich, und beide zusammen bilden den Kreislauf, aus dem jede Bogenführung besteht. Weil das Gewicht des Bogens an der Spitze gering ist und erst gegen den Frosch hin zunimmt, wächst der Ton im Aufstrich von Natur aus an — ein Verhalten, das man entweder ausnutzt oder bewusst ausgleicht.
Im Notenbild
Das Zeichen für den Aufstrich ist ein schlankes V über der Note. Wie beim Abstrich wird es nur dort gesetzt, wo die Richtung nicht selbstverständlich ist oder wo eine ganze Gruppe einheitlich spielen soll. In eingerichteten Orchesterstimmen stehen Auf- und Abstrichzeichen oft über längere Strecken, weil das gemeinsame Bogenbild eines Streicherregisters auch optisch zur Wirkung gehört.
Musikalische Verwendung
Der Aufstrich trägt traditionell die leichteren Taktteile. Ein Auftakt wird fast immer im Aufstrich genommen, damit die folgende Eins im gewichtigeren Abstrich liegt. Auch am Ende einer Phrase wirkt ein Aufstrich passend, weil der Ton zurücknehmbar bleibt und leicht ausklingen kann. Tänze im Dreiertakt, Menuette und viele Phrasen der Wiener Klassik verdanken ihre Leichtigkeit dieser Aufteilung. Wo Komponisten eine unerwartete Härte wollen, schreiben sie umgekehrt eine Betonung in den Aufstrich.
Spielpraxis
Übe den Aufstrich vor allem im unteren Bogendrittel: Dort entscheidet sich, ob der Ton am Frosch plump wird. Nimm gegen Ende des Striches etwas Armgewicht heraus und lass das Handgelenk der Bewegung nachgeben, statt sie abrupt zu stoppen. Bei schnellen Wechseln hilft es, die Umkehrpunkte einzeln zu üben — erst nur den letzten Zentimeter vor dem Richtungswechsel, dann die ganze Figur. Achte bei Auftakten darauf, wie viel Bogen du verbrauchst: Ein zu langer Auftakt zwingt dich, die Eins mit zu wenig Bogen zu spielen. Bei mehreren Aufstrichen hintereinander setzt du den Bogen jeweils kurz ab und beginnst neu, statt ihn lautlos zurückzuziehen.