Bogenstrich
Art und Richtung der Bogenführung.
Was es bedeutet
Der Bogenstrich umfasst zweierlei: die Richtung, in der der Bogen geführt wird, und die Art, wie er die Saite behandelt. Zur Richtung gehören Abstrich und Aufstrich, zur Art die Stricharten wie détaché, legato, martelé, staccato oder spiccato. Beides zusammen entscheidet über Ansatz, Länge, Lautstärke und Farbe eines Tones — beim Streichinstrument das, was beim Blasinstrument Zunge und Atem leisten.
Im Notenbild
Angezeigt wird der Bogenstrich durch die Richtungszeichen über den Noten, durch Bindebögen, die zusammengehörende Töne in einem Strich zusammenfassen, sowie durch Punkte, Striche und Keile für die Artikulation. Ein Bindebogen bei Streichern bedeutet immer auch: alles in einer Bogenrichtung. Zusätzliche Worte wie sul tasto oder am Steg betreffen den Ort des Streichens und gehören ebenfalls zur Einrichtung.
Musikalische Verwendung
Weil ein Bogen endlich lang ist, hat die Bogeneinteilung unmittelbar musikalische Folgen: Sie bestimmt, wo Phrasen atmen und wo Betonungen liegen. Komponisten und Herausgeber schreiben deshalb Striche vor, Orchesterstimmen werden von der Stimmführung einheitlich eingerichtet. Historisch verändert sich die Auffassung: Barocke Musik arbeitet mit vielen kurzen, gegliederten Strichen und deutlicher Schwere-Leichtigkeit; die Romantik strebt eher lange, ununterbrochene Bogenlinien an. Gleichbleibende Vorschriften gibt es nicht, wohl aber die Regel, dass der Strich der Phrase dienen muss, nicht umgekehrt.
Spielpraxis
Plane eine Passage rückwärts: Lege fest, welcher Ton den größten Nachdruck braucht, und teile die Striche so ein, dass er gut erreichbar liegt. Notiere die gewählten Richtungen im Notentext, sonst spielst du beim nächsten Mal anders. Übe eine Stelle in drei Tempi und beobachte, ob die Einteilung schnell noch trägt — was langsam bequem ist, kann im Tempo den Bogen aufbrauchen. Achte auf gleichbleibenden Kontaktpunkt zwischen Steg und Griffbrett; die meisten unsauberen Töne entstehen dort und nicht in der linken Hand. Im Orchester gilt die eingetragene Einrichtung, auch wenn du privat anders greifen würdest. Prüfe zudem, ob eingetragene Striche vom Komponisten oder vom Herausgeber stammen, weil sich daraus ergibt, wie frei du sie ändern darfst.