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Form

Bagatelle

Kurzes, leichtes Klavierstück.

Was es bedeutet

Eine Bagatelle ist ein kurzes Charakterstück, meist für Klavier. Der Name bedeutet Kleinigkeit und deutet auf den geringen Umfang, nicht notwendig auf geringen Anspruch: Viele Bagatellen sind knapp, aber dicht gearbeitet, und einige gehören zum Anspruchsvollsten ihrer Gattung. Eine feste Form gibt es nicht; verbreitet sind zwei- oder dreiteilige Anlagen, oft mit einem klar abgesetzten Mittelteil. Häufig erscheinen Bagatellen in Sammlungen, die eine Reihe verschiedener Charaktere zusammenstellen.

Musikalische Verwendung

Die Gattung gehört zur Klaviermusik seit dem späten 18. Jahrhundert und steht am Beginn der Tradition kurzer Charakterstücke, die im 19. Jahrhundert unter vielen Namen fortgeführt wird — Impromptu, Intermezzo, Moment musical, Humoreske. Der Reiz liegt in der Verdichtung: Eine einzige Idee wird in wenigen Takten vorgestellt, gewendet und abgeschlossen, ohne Durchführungsapparat. Im 20. Jahrhundert wird der Titel für Sammlungen aufgegriffen, in denen jedes Stück ein einzelnes musikalisches Problem behandelt. Gegenüber der Sonatine, die einen mehrsätzigen Bauplan verkleinert, ist die Bagatelle einsätzig und formal frei.

Spielpraxis

Nimm die Kürze ernst: Es gibt keine Zeit für allmähliches Einfinden, der Charakter muss vom ersten Takt an stehen. Arbeite die eine tragende Idee heraus und gestalte alles andere darauf bezogen. Übe die Übergänge zum Mittelteil besonders sorgfältig, weil sie in engem Raum wirken müssen. Achte auf genaue Artikulation und Pedalführung; in kurzen Stücken fällt jede Unschärfe auf. Bei Sammlungen plane die Reihenfolge und die Pausen zwischen den Stücken, damit die Charaktere sich voneinander abheben.

Prüfe außerdem, ob das Stück Teil einer Sammlung ist und welche Rolle es darin spielt: Manche Bagatellen leben erst im Zusammenhang mit ihren Nachbarn, weil sie einen Kontrast vorbereiten oder auflösen. Achte auf den Schluss, der in kurzen Stücken oft überraschend knapp ausfällt und nicht verlängert werden darf. Halte Tempowechsel innerhalb des Stückes gering, sofern sie nicht vorgeschrieben sind. Beim Üben lohnt es, das Stück mehrfach hintereinander zu spielen, um ein Gefühl für seinen Umfang zu gewinnen.