Brillenbässe
Spöttische Bezeichnung für Bassfiguren aus zwei gebundenen Halbnoten in Terz- oder Sextabstand, deren Notenbild an eine Brille erinnert; typisch für Rossinis Begleitstil.
Im Notenbild
Brillenbässe sind Bassfiguren, bei denen zwei durch einen Bindebogen verbundene Halbnoten im Abstand einer Terz oder Sexte untereinandergesetzt sind. Die runden Notenköpfe, durch den Bogen verbunden, erinnern optisch an ein Brillengestell, woher der Name stammt.
Musikalische Verwendung
Der Begriff wurde spöttisch für einfache, schematische Begleitfiguren geprägt, wie sie in der italienischen Opernbegleitung des frühen 19. Jahrhunderts vorkamen, insbesondere im Stil Gioachino Rossinis. Kritiker der strengeren, kontrapunktisch geschulten Satzlehre warfen solchen Bässen vor, harmonisch banal und wenig kunstvoll zu sein.
Diese ältere, abwertende Einordnung ist heute vor allem musikgeschichtlich zu verstehen: Sie spiegelt den Streit zwischen deutscher Kontrapunkttradition und italienischer Opernpraxis, weniger eine objektive kompositorische Schwäche. Abzugrenzen sind Brillenbässe von der Alberti-Bass genannten gebrochenen Begleitfigur, die aus Einzelnoten statt aus gebundenen Doppelgriffen besteht.