Clavicytherium
Historisches Tasteninstrument: ein aufrecht stehendes Cembalo mit senkrechtem Saitenverlauf.
Was es bedeutet
Das Clavicytherium ist im Grunde ein Cembalo, dessen Korpus hochkant aufgestellt wurde: Die Saiten laufen nicht waagerecht über einen liegenden Resonanzboden, sondern senkrecht nach oben, der Resonanzboden steht damit annähernd senkrecht vor dem Spieler. Die Tonerzeugung folgt dem gewohnten Cembalo-Prinzip, die Saiten werden von Kielen gezupft, die über eine Mechanik von der Klaviatur aus bewegt werden.
Der Name setzt sich aus lateinisch clavis (Taste) und griechisch kithara (Leier, Saiteninstrument) zusammen und verweist auf die aufgerichtete, leierähnliche Bauform.
Musikalische Verwendung
Der senkrechte Aufbau verringert den Platzbedarf gegenüber einem liegenden Cembalo erheblich, weshalb das Clavicytherium vor allem dort gebaut wurde, wo Raum knapp war. Erhaltene Instrumente stammen aus der Zeit vom späten 15. bis ins 18. Jahrhundert; sie sind insgesamt deutlich seltener als liegende Cembali, weil die aufrechte Bauweise die Mechanik technisch anspruchsvoller macht.
Abzugrenzen ist das Clavicytherium vom gewöhnlichen, liegenden Cembalo, mit dem es die Tonerzeugung teilt, sowie vom Clavichord, bei dem die Saiten nicht gezupft, sondern von Tangenten angeschlagen werden. In der praktischen Musizierpraxis spielte das Clavicytherium nie eine der liegenden Cembaloform vergleichbare Rolle; es blieb eine seltene Sonderform.
Spielpraxis
Begegnest du einem Clavicytherium in einer Sammlung oder bei einer historischen Aufführung, höre auf den Klang im Vergleich zu einem liegenden Cembalo: Die aufrechte Bauweise kann die Tonabstrahlung etwas verändern, ohne das Grundprinzip des gezupften Klangs zu berühren. Für die Spieltechnik selbst gelten dieselben Grundsätze wie beim Cembalo.