Couperin-Manier
Verzierungstabelle nach François Couperin.
Was es bedeutet
Mit diesem Begriff wird auf die Verzierungslehre François Couperins verwiesen. Der französische Komponist stellte den Zeichen seiner Klavierwerke eine Tabelle voran, in der er ihre Ausführung genau festlegte — samt der ausdrücklichen Erwartung, dass seine Stücke so und nicht anders zu spielen seien.
Solche Tabellen sind für die französische Musik des Barock kennzeichnend. Die Verzierungen, dort agréments genannt, sind kein beliebiger Schmuck, sondern fester Bestandteil der Komposition; ihre Zeichen bilden ein eigenes System, das sich von der italienischen Praxis des freien Diminuierens unterscheidet.
Der Ausdruck „Manier" ist die alte deutsche Bezeichnung für Verzierung überhaupt. Er begegnet in der deutschen Musiklehre des 18. Jahrhunderts und meint dort dasselbe wie agrément oder ornamento.
Im Notenbild
Die Zeichen stehen über oder neben den Noten und umfassen unter anderem Haken, Schleifen und kleine Striche für Triller, Mordente, Vorschläge und Bindungen. Ihre Bedeutung ist nicht selbsterklärend, weshalb Ausgaben die zugehörige Tabelle abdrucken. Dieselben oder ähnliche Zeichen werden in anderen Traditionen anders ausgeführt.
Musikalische Verwendung
Die Verzierungen prägen den Klang der französischen Cembalomusik so stark, dass ein Stück ohne sie kaum wiederzuerkennen ist. Sie gliedern die Melodie, betonen Dissonanzen und verlängern Töne auf einem Instrument, dessen Klang schnell abnimmt. Damit erfüllen sie zugleich eine klangliche Aufgabe, nicht nur eine schmückende.
Couperin veröffentlichte seine Verzierungstabelle 1713 im ersten Buch seiner Pièces de clavecin. Sie erklärt Zeichen wie pincé, tremblement und port de voix. Sie verbindet jedes Zeichen mit einer ausgeschriebenen Ausführung.
Spielpraxis
Schlage die Zeichen in der Tabelle der Ausgabe nach, bevor du sie ausführst, und verlass dich nicht auf die Bedeutung, die dasselbe Zeichen anderswo hat. Beginne Triller in dieser Tradition in der Regel mit der oberen Nebennote und auf der Zählzeit. Führe die Verzierungen im Tempo des Stücks aus, nicht schneller. Und behandle sie als Teil der Melodie, nicht als Zutat.