Pincé
Französischer Mordent.
Was es bedeutet
Pincé ist die französische Bezeichnung für den Mordent: eine kurze Verzierung, bei der der Hauptton einmal rasch mit seiner unteren Nebennote wechselt und sofort zurückkehrt. Das Wort bedeutet „gekniffen" und beschreibt die knappe, zupackende Wirkung der Figur.
Die Verzierung gehört zum Bestand der agréments, der festgelegten Verzierungen der französischen Barockmusik. Anders als in der italienischen Praxis, in der Verzierungen weitgehend frei erfunden wurden, ist hier jede Figur durch ein eigenes Zeichen bestimmt und in Tabellen erklärt.
Das Gegenstück ist der tremblement, die französische Bezeichnung für den Triller. Zusammen bilden beide das Grundpaar der kleinen Verzierungen: eine mit der unteren, eine mit der oberen Nebennote.
Im Notenbild
Notiert wird das pincé durch ein eigenes Zeichen, das den Tabellen der jeweiligen Ausgabe zu entnehmen ist; in modernen Ausgaben erscheint häufig das gewohnte Mordentzeichen. Weil die Zeichen der französischen Tradition nicht mit den heute geläufigen übereinstimmen, ist ein Blick in die abgedruckte Verzierungstabelle unerlässlich.
Musikalische Verwendung
Die Figur prägt die französische Cembalo- und Lautenmusik des 17. und 18. Jahrhunderts mit. Sie betont einzelne Töne, hebt Dissonanzen hervor und verschafft dem Klang auf Instrumenten mit rasch abnehmendem Ton mehr Präsenz. Die Verzierungen sind dort nicht Zutat, sondern Teil der Komposition — ein Stück ohne sie klingt unfertig.
Der Pincé erscheint in Couperins Verzierungstabelle als Zeichen eines schnellen Wechsels mit der unteren Nebennote und entspricht dem deutschen Mordent. Die Ausführung beginnt mit der Hauptnote und wird schnell und leicht gespielt. Er entspricht dem Mordent.
Spielpraxis
Führe die Figur auf der Zählzeit aus und halte sie kurz; der Hauptton muss deutlich bleiben. Betone nicht die Nebennote. Schlage das Zeichen in der Tabelle der Ausgabe nach, bevor du es ausführst, und übertrage nicht die Bedeutung, die es in anderen Traditionen hat. Und führe die Verzierung im Tempo des Stücks aus, nicht schneller.