Dramma per musica
Italienische Bezeichnung für die frühe Oper, geprägt von den Florentiner Begründern des Stile rappresentativo um 1600.
Was es bedeutet
Dramma per musica, wörtlich „Drama durch Musik“, war die ursprüngliche italienische Bezeichnung für das, was später als Oper bekannt wurde. Der Begriff betont den Anspruch, dass die Musik eine bereits dramatisch angelegte Handlung trägt und zum Ausdruck bringt, statt umgekehrt eine Handlung nur als Vorwand für Musiknummern zu dienen.
Musikalische Verwendung
Geprägt wurde der Begriff im Umfeld der Florentiner Camerata um 1600, einer Gruppe von Gelehrten und Musikern, die mit dem neuen, textnahen Stile rappresentativo die antike griechische Tragödie musikalisch wiederzubeleben suchten. Frühe Werke wie Jacopo Peris Dafne und Euridice sowie Claudio Monteverdis L'Orfeo (1607) wurden in diesem Sinn als dramma per musica bezeichnet und gelten als Gründungswerke der Operngattung.
Abzugrenzen ist der dramma per musica von der späteren Opera seria, die den Begriff im 18. Jahrhundert oft im Titel führte, sich aber durch feste dramaturgische Konventionen wie die Da-capo-Arie und eine stärkere Standardisierung von den freieren frühen Experimenten unterscheidet. Auch von der weltlichen Madrigalkomödie grenzt sich der dramma per musica ab, da diese ohne durchgehende Bühnenhandlung und Inszenierung auskam.
Spielpraxis
Höre bei frühen Werken des dramma per musica besonders auf den deklamatorischen, dem gesprochenen Text nahen Gesangsstil, den Monodie oder recitar cantando genannten Vorläufer des späteren Rezitativs. Wenn du selbst in einer Aufführung solcher Werke mitwirkst, orientiere dich am natürlichen Sprachrhythmus des Textes, statt ihn in ein starres musikalisches Metrum zu zwingen.