Empfindungsvoll
Mit gefühlvoller Eindringlichkeit.
Was es bedeutet
Empfindungsvoll ist eine deutsche Vortragsbezeichnung und verlangt einen gefühlvollen, eindringlichen Vortrag. Sie entspricht dem italienischen espressivo oder affettuoso und gehört zu jenen Wörtern, mit denen deutschsprachige Komponisten seit dem 18. Jahrhundert den Ausdruck in der eigenen Sprache festlegen.
Der Begriff steht in Zusammenhang mit der Empfindsamkeit, einer Strömung der Musik des mittleren 18. Jahrhunderts, die den unmittelbaren Ausdruck persönlicher Gefühle zum Ziel hatte. In dieser Musik wechseln die Stimmungen rasch, Pausen und überraschende Wendungen gehören zum Stil.
Von leidenschaftlich, das große Erregung meint, unterscheidet sich empfindungsvoll durch die Innigkeit: Gemeint ist ein beteiligter, nicht ein aufgewühlter Vortrag.
Im Notenbild
Das Wort steht über dem System am Beginn eines Satzes oder Abschnitts, in deutschsprachigen Ausgaben anstelle einer italienischen Angabe. Es kann Teil des Satznamens werden. Häufig findet es sich über Sätzen mit reich gegliederter Melodik, Vorhalten und feinen dynamischen Angaben.
Musikalische Verwendung
Verwendet wird die Bezeichnung in langsamen Sätzen und in Stücken mit persönlichem Ton, besonders in der Klaviermusik und im Lied. In der Musik der Empfindsamkeit und der frühen Romantik ist sie verbreitet. Sie steht selten über Tanzsätzen oder Schlusssätzen, weil deren Charakter dem gemeinten Ausdruck entgegensteht.
Die deutsche Anweisung entspricht italienisch con espressione oder espressivo und steht vor allem in Musik der Empfindsamkeit und der Romantik, etwa bei Carl Philipp Emanuel Bach, Beethoven und Schumann. Sie verlangt einen persönlichen, innigen Ausdruck, bei dem Dynamik, Agogik und Klangfarbe fein abgestuft werden. der Ausdruck aus der Musik kommt: Kleine Dehnungen an Höhepu ## Spielpraxis
Gestalte über die Linie und über feine dynamische Abstufungen; große Gesten widersprechen der Innigkeit. Gib Vorhalten und Dissonanzen Gewicht und lass die Auflösungen nachgeben. Nimm dir Zeit an Phrasengrenzen, ohne den Puls aufzugeben. Und achte darauf, dass der Ausdruck aus dem Notentext kommt — die Anweisung sagt, wie du lesen sollst, nicht, was du hinzufügen sollst.