Erzlaute
Theorbe mit zusätzlichen Basssaiten.
Was es bedeutet
Erzlaute ist ein Sammelname für große Lauteninstrumente mit einem zweiten, verlängerten Hals, an dem zusätzliche Basssaiten befestigt sind. Diese Saiten laufen neben dem Griffbrett und werden nicht gegriffen, sondern nur leer angezupft; sie erweitern den Tonraum nach unten erheblich. Zu dieser Gruppe zählen je nach Bauart und Sprachgebrauch Theorbe, Chitarrone und Erzlaute im engeren Sinn. Die Bezeichnungen wurden historisch nicht einheitlich verwendet, weshalb Zuordnungen in Quellen und Katalogen voneinander abweichen.
Musikalische Verwendung
Im 17. und frühen 18. Jahrhundert gehörten diese Instrumente zum Kernbestand des Generalbasses. Ihr Vorteil liegt in der Verbindung aus tragfähigen, lange klingenden Bässen und einem beweglichen Griffbrett für Akkorde und Zwischenstimmen: Damit kann ein einzelner Spieler Bass und Harmonie zugleich liefern, ohne den Klang eines Ensembles zu beschweren. Neben dem Continuospiel gibt es ein eigenes Solorepertoire, etwa von Alessandro Piccinini und Giovanni Girolamo Kapsperger. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verdrängte die Erzlaute im engeren Sinn die Theorbe als wichtigstes gezupftes Continuoinstrument, weil die Bassfolgen beweglicher und höher wurden. Von der gewöhnlichen Renaissancelaute unterscheiden sich diese Instrumente durch Größe und Halsverlängerung; die Erzlaute behält dabei die Stimmung der Renaissancelaute in den oberen Chören.
Spielpraxis
Rechne mit erheblicher Instrumentenlänge und richte Sitzhaltung und Gurt so ein, dass der lange Hals sicher ruht und die rechte Hand entspannt über dem Schallloch liegt. Die Basssaiten werden mit dem Daumen angezupft; plane, welche Saite wann klingt und wann sie gedämpft werden muss, sonst entsteht ein harmonischer Brei. Stimme die Bässe regelmäßig nach, weil sie lang, dünn und empfindlich gegen Temperaturwechsel sind. Im Continuospiel lohnt es, die Bassfolge zuerst allein zu üben und die Akkorde danach hinzuzufügen. Darmsaiten brauchen Schutz vor Feuchtigkeit und vor direkter Sonne.
Die Bässe werden nicht gegriffen, deshalb stehen nur die Töne zur Verfügung, auf die sie gestimmt sind: Bei Stücken mit weitreichender Harmonik ist vorher zu prüfen, ob die benötigten Bässe vorhanden sind, und gegebenenfalls zwischen den Sätzen umzustimmen. Im Continuo lohnt es, die Bassfolge mit Blick auf die verfügbaren Saiten einzurichten, statt sie wörtlich zu übernehmen.