Esordio
Anfang eines Werks oder Satzes.
Was es bedeutet
Esordio ist das italienische Wort für Anfang oder Eröffnung; es geht auf den rhetorischen Begriff exordium zurück, mit dem in der antiken Redelehre der einleitende Teil einer Rede bezeichnet wird. In der Musik begegnet der Ausdruck vor allem dort, wo musikalische Form nach dem Vorbild der Rhetorik beschrieben wird — eine Betrachtungsweise, die in der Musiktheorie des 17. und 18. Jahrhunderts verbreitet war.
Musikalische Verwendung
Die Übertragung rhetorischer Begriffe auf die Musik war mehr als ein Vergleich: Komponisten und Theoretiker jener Zeit dachten musikalische Sätze als Reden, mit Einleitung, Darlegung, Ausführung, Steigerung und Schluss. Der Anfang hat in dieser Sicht eine bestimmte Aufgabe — er soll Aufmerksamkeit gewinnen und den Hörer auf den Gegenstand einstimmen. Daraus erklären sich Eigenheiten vieler Eröffnungen: ein markanter erster Klang, eine Geste des Anrufens, eine Pause nach dem ersten Einsatz. Wer diese Denkweise kennt, liest Anfänge anders und gestaltet sie überzeugender.
Johann Mattheson beschreibt im Vollkommenen Capellmeister (1739) den Aufbau musikalischer Sätze nach den Teilen der Rede, an deren Beginn das Exordium steht.
Spielpraxis
Behandle den Anfang als Aussage und nicht als Aufwärmen: Charakter, Tempo und Klang müssen vom ersten Ton stehen. Gib dem ersten Klang Zeit zu wirken und halte Pausen nach einer Anfangsgeste aus. Vermeide es, zu voll zu beginnen, damit die Steigerung möglich bleibt. Im Ensemble verabredet Einsatz und Atem genau, weil Anfänge keine Korrekturmöglichkeit bieten. Die Verwendung des Begriffs schwankt je nach Quelle; prüfe im Einzelfall, was gemeint ist.
Die rhetorische Betrachtungsweise ist für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts belegt und hilft dort weiter, während ihre Übertragung auf spätere Musik eine Deutung bleibt: Prüfe, ob eine Quelle sie stützt. Prüfe außerdem in Quellen des 18. Jahrhunderts, ob der Begriff dort überhaupt musikalisch gemeint ist.