Fantasie
Deutsche Variante der Fantasia.
Was es bedeutet
Fantasie ist die deutsche Form des Titels Fantasia und bezeichnet dieselbe Sache: ein Stück ohne festes Formschema, das den Eindruck freier Erfindung erweckt. Die Schreibweise mit Ph — Phantasie — begegnet in älteren Ausgaben und bei einzelnen Komponisten gleichbedeutend. Der Umfang reicht vom kurzen Stück bis zum groß angelegten Werk, das mehrere Sätze in einem verbindet.
Musikalische Verwendung
Zwei Verwendungen sind zu unterscheiden. Zum einen steht die Fantasie als freies Vorspiel vor einem streng gearbeiteten Satz, meist einer Fuge; das Paar aus Freiem und Gebundenem gehört zur Tradition der Tasteninstrumente und hat in der Orgel- und Klaviermusik zahlreiche Beispiele. Zum anderen ist die Fantasie ein selbständiges Werk, das formale Freiheit für sich nutzt: Sätze gehen ineinander über, Themen kehren verwandelt wieder, Tonarten wechseln weiträumig. Im 19. Jahrhundert wird daraus eine Möglichkeit, große Zusammenhänge ohne das Schema der Sonate zu bauen. Daneben bezeichnet der Titel auch Bearbeitungen über fremde Themen.
Weitere Bezeichnungen
Fantasia ist die italienische Form, Phantasie die ältere deutsche Schreibung. In der Renaissance bezeichnete Fantasia ein imitatorisches Instrumentalstück, später ein improvisationsartiges, formal freies Werk. Das romantische Charakterstück erscheint oft als Phantasiestück.
Spielpraxis
Verschaffe dir zuerst einen Überblick über die Abschnitte und plane ihre Verhältnisse zueinander; ohne diese Planung zerfällt das Stück. Gestalte Übergänge bewusst — die Wirkung des Freien entsteht aus kontrollierter Zeitgestaltung, nicht aus Beliebigkeit. Halte rezitativische Stellen sprechend und gib Generalpausen ihre volle Länge. Steht die Fantasie vor einer Fuge, plane beide als Einheit und bedenke, dass der Schluss der Fantasie zum Fugenbeginn führen muss. Notiere deine Entscheidungen, damit sie reproduzierbar bleiben.
Fantasien häufig ohne feste Taktordnung notiert sind oder rezitativische Abschnitte enthalten: Solche Stellen verlangen eine sprechende Gestaltung, die dennoch geplant ist. Arbeite mit Zielpunkten, statt Takt für Takt zu gestalten. Prüfe die Tonartverhältnisse zwischen den Abschnitten, weil sie den Verlauf ordnen. Bei Werken, die eine Fuge nach sich ziehen, richte den Schluss auf deren Beginn aus. Verwende Pedal sparsam, damit Figurationen klar bleiben, und notiere deine Entscheidungen. Prüfe bei mehrteiligen Werken, ob die Abschnitte ohne Unterbrechung ineinander übergehen sollen, und richte die Schlüsse entsprechend ein. Prüfe zudem, ob die Ausgabe Taktstriche ergänzt hat, weil freie Abschnitte oft ohne sie notiert sind.