Präludium
Ein Präludium (mittellateinisch „praeludium“, Vorspiel) ist ein Instrumentalstück mit eröffnendem oder hinführendem Charakter in formal freier Anlage. Es steht oft vor einer Fuge, kann aber auch allein stehen. Im Archiv liegt das Präludium C-Dur aus Bachs Wohltemperiertem Clavier, Teil I.
- Wort
- mittellateinisch praeludium, zu lateinisch praeludere, „vorspielen“
- Bedeutung
- einleitendes Instrumentalstück in freier Form
- Im Archiv
- Präludium C-Dur, Das Wohltemperierte Clavier I, Nr. 1, BWV 846
- Takt im Archivstück
- C (4/4), 35 Takte auf 2 Seiten
Ein Vorspiel in freier Form
Das Wort hat drei Bedeutungen: ein oft frei improvisiertes musikalisches Vorspiel, etwa auf der Orgel vor dem Gemeindegesang, außerdem eine fantasieartige selbstständige Instrumentalkomposition und schließlich ein einleitendes Musikstück für Laute und Tasteninstrumente in formal freier Anlage, vielfach in Verbindung mit einer Fuge. Als Instrumentalwerk hat das Präludium einen eröffnenden oder hinführenden Charakter. Ursprünglich war es ein formfreies, improvisiertes Vorspiel für Orgel oder Zupfinstrumente; im 17. Jahrhundert eröffnete es häufig eine Suite oder Sonate und ging später als eigene Form einer Fuge, einer Fantasie oder einem anderen Werk voran.
Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ ist eine Sammlung von Präludien und Fugen in zwei Teilen, mit je 24 Satzpaaren in allen zwölf Dur- und Molltonarten. Jedes Paar hat eine eigene BWV-Nummer; das erste Paar mit dem Präludium in C-Dur trägt die Nummer 846, wie auch das Archivblatt angibt.
Aufbau im Archivstück
Das Archivblatt zeigt nur das Präludium, ohne die zugehörige Fuge. Die Tabelle gliedert es nach Takten. Auffällig ist, wie wenig sich das Bild ändert: Von Takt 1 bis 32 steht auf dem Blatt in jedem Takt dasselbe rhythmische Muster, erst die letzten Takte weichen ab. Wiederholungszeichen oder Teile mit eigenen Überschriften stehen nicht auf dem Blatt; das Stück folgt einem einzigen Bauplan.
| Takte | Was im Notenbild steht |
|---|---|
| 1 bis 32 | dasselbe rhythmische Bild in jedem Takt: in der rechten Hand zweimal eine Achtelpause und je sechs Sechzehntel; links setzen die Töne zweimal pro Takt neu an |
| 33 und 34 | durchlaufende Sechzehntel in der rechten Hand; im Bass liegt das tiefe C |
| 35 | ein Schlussakkord mit Fermate; davor steht die Wellenlinie des Arpeggio |
Ein Takt aus zwei gleichen Hälften: gebrochener Akkord (eigenes Beispiel)
Ein eigenes Beispiel mit demselben Bauplan wie im Archivstück, aber mit anderen Tönen: Jede Takthälfte besteht aus einer Achtelpause und sechs Sechzehnteln, also aus acht Sechzehnteln oder zwei Schlägen. Die Töne des Akkords werden nacheinander gespielt; Takt 1 und 3 enthalten die Töne c, e und g, Takt 2 die Töne d, g und h. Unten liegt ein Basston.
Der Schluss: Arpeggio und Fermate
Ein Akkord über einem Bass aus C und c, gespielt als Arpeggio: Die Töne setzen von unten nach oben nacheinander ein und klingen alle bis zum Ende. Die Fermate verlängert den Akkord über den notierten Wert. So endet auch das Archivstück, dort mit der Wellenlinie vor dem Akkord und der Fermate darüber.
Die erste Notenzeile zeigt den Bauplan mit eigenen Tönen. Die Pause am Anfang jeder Takthälfte ist Teil des Musters: Sie gibt dem Pulsschlag Luft, bevor die Töne einsetzen. Im Schluss der zweiten Zeile siehst du, wie ein Arpeggio und eine Fermate das Stück beenden.
Bachs Präludium im Archiv
Klavier
-
Präludium C-Dur Johann Sebastian Bach (1685–1750), Das Wohltemperierte Clavier I, Nr. 1, BWV 846 · Klavier · 2 Seiten
Taktangabe C, keine Vorzeichen, 35 Takte: Seite 1 trägt die Takte 1 bis 18, Seite 2 die Takte 19 bis 35. Das Blatt enthält nur das Präludium, keine Fuge. Takt 1 beginnt in der rechten Hand mit einer Achtelpause, danach folgen Sechzehntel; links setzt auf der Eins ein Basston ein. Im letzten Takt stehen ein Akkord mit Fermate und, im Bass, C und c.
Abgrenzung
Ein Präludium ist nicht dasselbe wie eine Fuge, auch wenn beide im „Wohltemperierten Klavier“ ein Paar bilden. Die Verbindung mit einer Fuge besteht vielfach, aber nicht immer. Das einleitende Musikstück einer Oper kann dagegen Vorspiel oder Ouvertüre heißen.
Häufige Fehler
- Die Achtelpause weglassen: Wer sofort mit dem Ton beginnt, verschiebt das ganze Muster um eine Achtel.
- Die Basstöne verkürzen: Links sind Töne über Haltebögen verbunden; sie klingen länger, als der erste Anschlag vermuten lässt.
- Das Blatt für das ganze Paar halten: Die Fuge zu diesem Präludium steht nicht auf diesem Blatt.
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Verwandte Begriffe
VorspielOuvertüreFantasieArpeggioFermateOrgelpunktSechzehntelnoteSechzehntelpauseViervierteltaktC-Dur
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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