Orgelpunkt
Liegender Basston unter wechselnden Akkorden.
Was es bedeutet
Ein Orgelpunkt ist ein lang ausgehaltener Basston, über dem die Harmonien wechseln. Der Bass bleibt stehen, während sich darüber Akkorde bilden, die zu ihm teils passen und teils nicht. Der Name erklärt sich aus der Orgel, auf der ein Ton im Pedal mühelos beliebig lange gehalten werden kann.
Musikalische Verwendung
Zwei Stellungen sind besonders häufig. Der Orgelpunkt auf der Dominante erscheint vor einem Schluss oder vor dem Wiedereintritt eines Themas: Er staut Spannung, weil die Musik lange auf der Dominante verharrt und die erwartete Auflösung hinausgeschoben wird. Der Orgelpunkt auf der Tonika dagegen steht häufig am Schluss eines Stückes und bestätigt das Zentrum, während die Oberstimmen noch in Bewegung sind; auch zu Beginn eines Satzes kann er den Grund legen.
Die Wirkung beruht auf dem wechselnden Verhältnis des liegenden Tones zu den Klängen darüber. Derselbe Basston ist einmal Grundton, einmal Akkordfremder, einmal Quinte — und die Reibungen, die dabei entstehen, sind gewollt. Das Ohr akzeptiert Dissonanzen über einem Orgelpunkt eher als anderswo, weil der Bass als fester Bezug erhalten bleibt.
Liegt der ausgehaltene Ton nicht im Bass, sondern in einer Mittel- oder Oberstimme, spricht man von einem liegenden Ton oder einem umgekehrten Orgelpunkt.
Abzugrenzen ist der Orgelpunkt vom Bordun: Dieser ist ein durchgehender Grundklang, über dem sich die Musik melodisch bewegt, oft ohne Harmoniewechsel; der Orgelpunkt ist meist zeitlich begrenzt und steht unter wechselnden Harmonien.
Weitere Bezeichnungen
Pedalpunkt ist eine im Deutschen gebräuchliche Nachbildung, keine englische Bezeichnung; englisch heißt es pedal point oder kurz pedal. Abzugrenzen ist der Bordun, der als dauernd mitklingender Ton eher eine Klangeigenschaft ist als ein Satzmittel an bestimmter Stelle.
Spielpraxis
Halte den liegenden Ton gleichmäßig und lebendig, ohne ihn zu betonen — er ist Grund, nicht Figur. Höre auf die Reibungen darüber und nimm sie ernst, statt sie zu glätten. Und gestalte die Auflösung am Ende eines Dominantorgelpunkts deutlich; dort löst sich die gestaute Spannung.