Polychord
Ein Polychord ist ein Klang aus zwei oder mehr übereinandergeschichteten Akkorden, etwa D-Dur über C-Dur. Die Akkorde bleiben als eigene Klänge hörbar und verschmelzen doch zu einem gemeinsamen, reich gefärbten Gesamtklang.
- Aufbau
- zwei Akkorde übereinander
- Schreibweise
- wie ein Bruch: oben der obere, unten der untere Akkord
- Bekanntes Beispiel
- Petruschka-Akkord (C-Dur und Fis-Dur)
- Zeit
- vor allem Musik des 20. Jahrhunderts, auch Jazz
Zwei Akkorde, ein Klang
Ein Polychord entsteht, wenn zwei Akkorde gleichzeitig erklingen, jeder mit eigenem Grundton, und das Ohr beide noch erkennen kann. Ein einzelner Akkord wird in Terzen aufgebaut. Hier stehen dagegen zwei vollständige Dreiklänge übereinander, zum Beispiel D-Dur über C-Dur. Das Akkordsymbol schreibt man wie einen Bruch: oben den oberen Akkord, darunter den unteren. Im Fließtext schreibt man dafür „D über C“. Der Schrägstrich im Symbol D/C bedeutet auf der Seite Slash-Akkord etwas anderes: Dort steht hinter dem Strich nur ein einzelner Basston.
D über C: der untere Akkord im Bassschlüssel
Der untere Akkord ist C-Dur: c–e–g.
D über C: der obere Akkord im Violinschlüssel
Der obere Akkord ist D-Dur: d–fis–a. Zusammen ergeben beide die Töne c–d–e–fis–g–a. Das ist die lydische Tonleiter auf c, nur ohne das h.
Petruschka-Akkord: C-Dur und Fis-Dur einzeln und zusammen
Zuerst klingen die beiden Dreiklänge einzeln, dann gemeinsam. Der dritte Klang ist ein Polychord. Die Grundtöne c und fis liegen einen Tritonus auseinander, und die beiden Dreiklänge haben keinen Ton gemeinsam.
Im Glossar: Dreiklang · Polytonalität · Septakkord
Hören
Die ersten beiden Klänge sind die Bausteine, der dritte ist ihre Schichtung. Bei D über C klingt der untere C-Dur-Dreiklang fest, der obere bringt zusätzliche Farbe mit dem fis, das C-Dur nicht enthält. Beim letzten Klang liegen C-Dur und Fis-Dur übereinander, ihre Grundtöne im Tritonusabstand. Das wirkt schroffer.
Der Petruschka-Akkord
Berühmt ist der „Petruschka-Akkord“ aus Igor Strawinskys Ballett „Petruschka“ von 1911. Er lässt C-Dur und Fis-Dur gleichzeitig erklingen. Die beiden Tonarten stehen im Quintenzirkel einander gegenüber, einen Tritonus voneinander entfernt, und der Klang gilt als Inbegriff gleichzeitiger Tonarten.
Im Jazz taucht das Polychord als sogenannte Oberstruktur (Upper Structure) auf: Ein Akkord liegt über einem Basston oder einem Grundakkord und erweitert ihn um Töne wie None, übermäßige Undezime oder Tredezime. Das D-Dur über C oben enthält genau solche Farbtöne zu C: d ist die None, fis die übermäßige Undezime und a die Tredezime.
Was ein Polychord nicht ist
Drei Nachbarbegriffe liegen nahe, sind aber etwas anderes:
- Slash-Akkord: Hier wird nur der Basston geändert, etwa C/E für C-Dur mit e im Bass. Es bleibt ein einziger Akkord. Das Polychord besteht dagegen aus zwei vollständigen Akkorden.
- Polytonalität: Mehrere Tonarten erklingen gleichzeitig, auch als Melodie oder Stimme. Das Polychord bleibt auf der Ebene des einzelnen Akkords.
- Erweiterter Akkord: Ein Nonen- oder Tredezimenakkord lässt sich oft auch als Polychord lesen, und umgekehrt. Es kommt darauf an, ob man den Klang als einen Akkord mit Zusatztönen hören will oder als zwei getrennte Akkorde.
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Verwandte Begriffe
PolytonalitätDreiklangJazzSeptakkordNonenakkordQuartal-HarmonikTritonus
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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