Polytonalität
Gleichzeitiges Erklingen mehrerer Tonarten.
Was es bedeutet
Polytonalität bezeichnet das gleichzeitige Erklingen von zwei oder mehr Tonarten in verschiedenen Stimmen oder Schichten. Jede Schicht folgt für sich der Logik ihrer Tonart, doch im Zusammenklang entstehen Reibungen und ein ungewohnter Gesamtklang. Bei genau zwei Tonarten spricht man von Bitonalität.
Musikalische Verwendung
Die Polytonalität ist ein Kennzeichen der Musik des frühen 20. Jahrhunderts, etwa bei Darius Milhaud, der sie in „Saudades do Brasil“ (1920) einsetzte, bei Charles Ives, Igor Strawinsky und Béla Bartók. Sie ist ein Mittel, die Grenzen der Dur-Moll-Harmonik zu erweitern, ohne die Tonalität ganz aufzugeben. Manchmal ist die Wirkung bewusst humorvoll oder grotesk.
Abzugrenzen ist die Polytonalität vom Polychord, das nur auf der Ebene der Akkorde liegt, und von der Atonalität, in der überhaupt keine Tonart mehr bestimmt ist.
Spielpraxis
Wenn du polytonale Musik spielst, übe die Schichten einzeln, damit du die Tonart jeder Stimme spürst, und füge sie dann zusammen. Höre auf die Reibungen, ohne sie zu glätten; sie sind gewollt.