Quartal-Harmonik
Akkordbildung in Quarten.
Was es bedeutet
Quartenharmonik bezeichnet die Bildung von Akkorden aus übereinandergeschichteten Quarten statt aus Terzen. Ein Klang aus d, g, c und f etwa ist ein Quartenakkord. Da die Terz fehlt, die in der gewohnten Harmonik das Tongeschlecht bestimmt, bleiben solche Klänge zwischen Dur und Moll unentschieden und wirken offen, schwebend und herb.
Musikalische Verwendung
Als bewusstes Gestaltungsprinzip ist die Quartenharmonik eine Erscheinung des 20. Jahrhunderts. Sie entstand aus dem Bestreben, sich von der terzgeschichteten Harmonik der Dur-Moll-Tonalität zu lösen, ohne in völlige Chromatik überzugehen. Quartenklänge haben keinen eindeutigen Grundton, weil in einer Schichtung gleicher Intervalle kein Ton hervortritt; sie lassen sich deshalb frei verschieben und verbinden.
Besonders verbreitet ist sie im modalen Jazz, wo Quartenvoicings am Klavier zum gängigen Klangbild gehören. Dort ersetzen sie die herkömmlichen Terzakkorde, wirken moderner und lassen der Melodie mehr Raum, weil sie das Tongeschlecht nicht festlegen. Auch in der Filmmusik werden Quartenklänge häufig für Weite und Offenheit eingesetzt.
Mit Quartenschichtungen ist historisch nicht die Musik des Mittelalters zu verwechseln, deren parallele Quarten und Quinten ein anderer Sachverhalt sind: Dort bewegen sich zwei Stimmen parallel, hier werden Akkorde gebaut.
Abzugrenzen ist die Quartenharmonik vom Vorhaltsakkord, der ebenfalls eine Quarte anstelle der Terz enthält, aber auf einem Dreiklang beruht und traditionell aufgelöst wird.
Quartenakkorde verzichten auf die Terz und klingen dadurch offen und weder Dur noch Moll. Frühe Beispiele finden sich bei Skrjabin, Schönberg und Hindemith. Im modalen Jazz der 1960er Jahre wurden Quartenvoicings am Klavier zu einem Kennzeichen des Stils. Ein Akkord aus drei übereinander geschichteten reinen Quarten wirkt schwebend und lässt sich leicht parallel verschieben. ## Spielpraxis
Setze Quartenklänge mit gleichmäßiger Lautstärke aller Töne; jede Hervorhebung erzeugt einen Grundton, den der Klang nicht hat. Achte auf die Lage, denn in tiefem Register werden Quartenschichtungen rasch dumpf. Und verschiebe Quartenakkorde parallel — darin liegt ihre Eigenart.