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Harmonik

Quartenparallelen

Quartenparallelen entstehen, wenn zwei Stimmen im Abstand einer reinen Quarte gleichzeitig in dieselbe Richtung gehen. Die ältere Satzlehre beurteilt sie vor allem zum Bass als klanglich ungünstig. Im frühen Organum waren sie dagegen das Bauprinzip, und in der Musik des 20. Jahrhunderts sind sie ein gewollter Klang.

Abstand
reine Quarte (5 Halbtöne)
Frühes Organum
Bauprinzip, parallele Quarten und Quinten
Satzlehre
zum Bass als klanglich ungünstig beurteilt
Heute
Klangfarbe im Jazz und in moderner Musik

Gleiche Bewegung im Quartabstand

Die reine Quarte hat ein Frequenzverhältnis von 4:3 und gilt als vollkommene Konsonanz, die allerdings über dem Bass wie eine Dissonanz behandelt wird. Zwei Stimmen, die im Quartabstand parallel laufen, klingen deshalb eigentümlich: leer und archaisch, zugleich weniger verschmolzen als parallele Oktaven. Die ältere Satzlehre beurteilt sie als klanglich ungünstig.

Parallele Quarten auf den weißen Tasten

Zwei Stimmen im Quartabstand, schrittweise aufwärts. Die ersten drei Quarten sind rein. Die vierte, f–h (markiert), ist übermäßig: Auf den weißen Tasten allein bleiben parallele Quarten nur bis e–a rein.

Alle Quarten rein, mit b statt h

Mit dem b ist auch die vierte Quarte rein (f–b, fünf Halbtöne). Der Klang bleibt leer und hart; die Stimmen verschmelzen kaum, aber sie wirken auch nicht richtig getrennt.

Im Glossar: Oktavparallelen · Quartal-Harmonik · Intervallumkehrung

Eine Frage der Epoche

EpocheUmgang mit parallelen Quarten
9.–11. JahrhundertOrganum: parallele Quarten und Quinten als Satzprinzip
Satzlehre (Kontrapunkt, Generalbass)Quarte über dem Bass gilt als Dissonanz, Parallelen werden vermieden
20. JahrhundertQuartenakkorde und Quartenparallelen als Klangmittel

Im frühen mehrstimmigen Gesang, dem Organum, waren Quarten und Quinten das Gerüst des Satzes. Die Stimmen liefen parallel im Quart- oder Quintabstand. Mit der Entwicklung der Satzlehre änderte sich das Urteil. Die Unterscheidung von Konsonanz und Dissonanz führte dazu, dass die Quarte über dem Bass als dissonant behandelt wurde und ihre Parallelen vermieden wurden. Im 20. Jahrhundert tauchten sie als bewusstes Klangmittel wieder auf.

Warum die Quarte anders wirkt

Die Quarte ist die Umkehrung der Quinte. Beide ergänzen einander zur Oktave. Deshalb teilt sie manche Eigenschaften der Quinte. Anders als parallele Quinten sind parallele Quarten zwischen Oberstimmen in der Satzlehre aber nicht verboten: Sie kommen in Ketten von Sextakkorden vor, siehe Parallelbewegung. Heikel ist nur die Quarte zum Bass. In einer rein diatonischen Folge ändert sich die Größe der Quarte: Zwischen den weißen Tasten f und h liegt eine übermäßige Quarte. Parallel geführt auf den weißen Tasten sind die Quarten deshalb nicht alle rein.

Zum Üben: Spiele am Klavier die erste Zeile und höre, wie das letzte Paar härter klingt als die ersten drei. Spiele danach zum Vergleich die Terzparallelen c–e, d–f, e–g, f–a: Sie klingen weich und füllen den Klang.