Oktavparallelen
Im strengen Satz verbotene parallele Oktaven zwischen zwei Stimmen.
Was es bedeutet
Oktavparallelen entstehen, wenn zwei Stimmen im Abstand einer Oktave aufeinanderfolgend in dieselbe Richtung gehen, sodass der Oktavabstand zwischen ihnen bestehen bleibt. Im strengen vierstimmigen Satz und im Kontrapunkt gelten sie als Fehler. Der Grund liegt in der Selbstständigkeit der Stimmen: Zwei Stimmen im Oktavabstand klingen fast wie eine einzige, sodass die Stimmführung an Eigenständigkeit verliert.
Musikalische Verwendung
Das Verbot gilt im Choralsatz und in der Satzlehre seit der Renaissance und ist Teil der klassischen Regeln der Stimmführung, ebenso wie das Verbot paralleler Quinten. Bei verdeckten oder Sprungparallelen ist die Regel milder gehandhabt worden. Komponisten haben die Regel allerdings oft bewusst gebrochen, wenn sie eine Melodie verstärken wollen.
Abzugrenzen ist die Oktavparallele von der absichtlichen Oktavverdopplung, die im Orchester oder in der Orgel zur Klangverstärkung eingesetzt wird und keine Stimmführung im Sinne der Satzlehre verletzt, und von parallelen Terzen und Sexten, die als wohlklingend erlaubt sind.
Spielpraxis
Wenn du einen Satz schreibst oder aussetzt, prüfe jedes Stimmenpaar auf Oktavparallelen: Achte darauf, dass zwei Stimmen sich nicht in gleicher Richtung auf einen Oktavabstand zubewegen. Führe eine der Stimmen in Gegenbewegung oder wähle einen anderen Akkordton.