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Harmonik

Oktavparallelen

Oktavparallelen entstehen, wenn zwei Stimmen sich im Abstand einer Oktave gleichzeitig in dieselbe Richtung bewegen. In der Satzlehre sind sie verboten, weil die beiden Stimmen dabei aufhören, zwei Stimmen zu sein: Die Oktave verschmilzt zu einem einzigen Klang.

Abstand
Oktave (Verhältnis 2:1)
Bewegung
parallel, beide in dieselbe Richtung
Im strengen Satz
verboten
Anders in der Instrumentation
Oktavverdopplung ist ein Klangmittel

Wenn zwei Stimmen eine werden

Die Oktave ist nach dem Einklang das einfachste Intervall: Ihr Frequenzverhältnis ist 2:1, und die beiden Töne verschmelzen so stark, dass man sie als denselben Ton in anderer Lage empfindet. Darauf beruht der Aufbau des Tonsystems. Für die Stimmführung folgt daraus eine Regel: Läuft eine Stimme parallel in der Oktave zu einer anderen, hört man nicht zwei Stimmen, sondern nur eine, die verdoppelt ist. Die Selbstständigkeit der Stimmen geht verloren.

Verboten: Oktavparallelen

Zwei Stimmen liegen jeweils eine Oktave auseinander, schrittweise aufwärts. Man hört nur noch eine Melodie, einmal in der Tiefe, einmal in der Höhe.

Erlaubt: Gegenbewegung statt Parallele

Dieselbe untere Stimme, aber die obere Stimme geht abwärts. Die Stimmen bleiben als zwei Linien erkennbar: Sie bewegen sich aufeinander zu.

Verdeckte Oktaven: Sprung in die Oktave

Beide Stimmen gehen in dieselbe Richtung aufwärts und landen in der Oktave. Man spricht von verdeckten (gedeckten) Oktaven, die in Außenstimmen als unschön gelten.

Im Glossar: Oktave · Einklang · Quartenparallelen

Wo sie trotzdem vorkommen

In der Instrumentation ist die Oktavverdopplung dagegen ein geläufiges Mittel: Eine Linie wird tragfähiger und bekommt Farbe, wenn Flöte und Violine oder rechte und linke Hand des Klaviers sie in Oktaven spielen. Hier ist keine Zweistimmigkeit gewollt. Außerdem können Oktavparallelen unbeabsichtigt entstehen, zum Beispiel wenn ein Leitton verdoppelt wird und beide Leittöne zum Grundton steigen. Deshalb gilt in der Satzlehre die Regel, den Leitton nicht zu verdoppeln, und deshalb verlangt der Sextakkord Aufmerksamkeit bei der Verdopplung.

Parallelen, die man nicht gleichsetzen darf

Dieselbe Begründung gilt für andere Intervalle in unterschiedlichem Maß. Quintenparallelen gelten wie Oktavparallelen als verboten, weil auch die Quinte so stark verschmilzt. Terz- und Sextparallelen dagegen sind erlaubt, weil ihre Töne sich klanglich unterscheiden. Primparallelen (Einklang) sind aus demselben Grund verboten wie Oktavparallelen. Gegenbewegung ist deshalb das einfachste Mittel, Parallelen zu vermeiden.

Zum Üben: Spiele die erste Zeile am Klavier und höre darauf, ob du eine oder zwei Stimmen wahrnimmst. Spiele danach die zweite Zeile mit Gegenbewegung. Hier hörst du zwei Linien, die miteinander sprechen.