Zum Inhalt springen
Harmonik

Distanzprinzip

Tonordnung aus gleich großen Intervallen, etwa Ganzton- oder Kleinterzfolgen.

Was es bedeutet

Unter dem Distanzprinzip versteht man die Bildung von Skalen und Klängen aus gleich großen Intervallen. An die Stelle der ungleichmäßigen diatonischen Ordnung, in der Ganz- und Halbtöne in bestimmter Folge wechseln, tritt ein regelmäßiges Muster, das die Oktave gleichmäßig teilt oder in einem festen Wechsel zweier Abstände fortschreitet. Mit modalen Skalen im Sinne der Kirchentonarten hat das Prinzip wenig gemein, denn es steht dem modalen und tonalen Denken gerade entgegen.

Musikalische Verwendung

Die einfachsten Beispiele sind aus anderen Einträgen bekannt. Die Ganztonleiter teilt die Oktave in sechs gleiche Schritte, der übermäßige Dreiklang in drei, der verminderte Septakkord in vier, der Tritonus in zwei. Hinzu kommen Skalen, die zwei Abstände regelmäßig abwechseln, etwa die Folge aus Halbton und Ganzton, die acht Töne ergibt und in der Musik des 20. Jahrhunderts wie im Jazz gebräuchlich ist.

Allen Distanzbildungen ist gemeinsam, dass sie sich nach wenigen Verschiebungen wiederholen und keinen Ton vor den anderen auszeichnen. Ihnen fehlt deshalb das Gefälle, auf dem die tonale Kadenz beruht. Daraus ergibt sich ihre doppelte Verwendung: als schwebende Klangfarbe, die tonale Bezüge aussetzt, und als Scharnier für Modulationen, weil ein symmetrischer Klang sich in mehrere Richtungen auflösen lässt.

In der Musik des 19. Jahrhunderts erscheinen solche Bildungen zunächst als Durchgang innerhalb tonaler Zusammenhänge; um 1900 werden sie zu eigenständigen Grundlagen des Tonsatzes.

In der Analyse wird das Prinzip besonders auf die Musik von Liszt, Debussy, Bartók und Messiaen angewandt. Messiaens Modi mit begrenzter Transponierbarkeit folgen ebenfalls dem Distanzprinzip. Kennzeichnend ist, dass solche Klänge keinen eindeutigen Grundton besitzen und dadurch schwebend wirken. ## Spielpraxis

Spiele Distanzskalen gleichmäßig und ohne Betonung einzelner Töne — jede Hervorhebung erzeugt ein Zentrum, das die Skala nicht hat. Nutze das sich wiederholende Muster für den Fingersatz. Und achte bei symmetrischen Akkorden auf die Schreibweise im Notentext; sie zeigt, in welche Richtung der Klang aufgelöst werden soll.