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Tonleiter

Ganztonleiter

Die Ganztonleiter besteht nur aus Ganztonschritten und hat deshalb sechs Töne pro Oktave. Weil alle Abstände gleich sind, hebt sich kein Ton hervor: Es gibt keinen Leitton, keine reine Quinte über dem Grundton und kein tonales Gefälle.

Töne pro Oktave
6
Schrittfolge
1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1
Auf c
c–d–e–fis–gis–ais
Verschiedene Leitern
nur zwei (auf c und auf cis)
Klang
schwebend, richtungslos

Alle Schritte gleich

In einer Durtonleiter wechseln Ganz- und Halbtöne in einer festen Folge. Das gibt der Leiter ihre Richtung: Der Halbton h–c zieht zur Tonika. Die Ganztonleiter verzichtet darauf. Sie baut nur Ganztonschritte aufeinander und kommt deshalb nach sechs Schritten wieder am Anfangston an. Es gibt keinen Leitton, keine reine Quinte über dem Grundton und damit kein Gefälle.

Ganztonleiter auf c

c d e fis gis ais c 1 1 1 1 1 1

Sechs Töne, alle Schritte ein Ganzton. Vergleiche mit der Durtonleiter: Dort gibt es zwei Halbtonschritte (e–f und h–c). Hier fehlen beide. Der siebte Ton wäre wieder c, die Leiter schließt also genau nach sechs Schritten.

Die zweite Ganztonleiter, auf cis

cis dis f g a h cis 1 1 1 1 1 1

Mehr als zwei verschiedene Ganztonleitern gibt es nicht: Beginnt man auf d, erhält man dieselben Töne wie auf c. Beginnt man auf des (cis), kommen die übrigen sechs Halbtonstufen dran.

Der übermäßige Dreiklang aus der Leiter

Aus ihren Tönen lässt sich kein Dur- oder Molldreiklang bilden, wohl aber der übermäßige: zwei große Terzen übereinander. Er teilt die Oktave in drei gleiche Teile und hat keinen eindeutigen Grundton.

Im Glossar: Tonleiter · Übermäßiger Dreiklang · Halbton

Warum sie so schwebend klingt

Aus dieser Gleichmäßigkeit folgt ihr eigentümlicher Klang: schwebend, richtungslos, ohne Ruhepunkt. Jeder ihrer Töne könnte gleichberechtigt als Ausgangspunkt gelten. Der übermäßige Dreiklang gehört dazu, weil beide auf demselben Prinzip beruhen: der Bildung aus gleichen Abständen, in der Theorie als Distanzprinzip bezeichnet.

C+D+E+

Im Hörbeispiel bestehen C+ und E+ aus denselben Tönen (c–e–gis und e–gis–his, wobei his wie c klingt), nur die Lage ist verschieden. Es erklingen also nur zwei verschiedene Dreiklänge, und das sind genau die beiden, die in einer Ganztonleiter stecken.

DurGanztonleiter
Töne pro Oktave76
Halbtonschritte2 (3–4 und 7–8)keine
Leittonjanein
Tonika-DreiklangDur-Dreiklangübermäßiger Dreiklang
Grundton eindeutigjanein

Nur zwei Ganztonleitern

Bemerkenswert ist, dass es nur zwei verschiedene Ganztonleitern gibt: eine auf c und eine auf cis. Jede weitere Verschiebung um einen Ganzton führt auf eine der beiden zurück. In der Schreibweise ergibt das zwangsläufig enharmonische Fragen, denn sechs gleich große Schritte lassen sich nicht widerspruchsfrei mit sieben Stammtonnamen darstellen. In der Leiter auf c steht deshalb ais statt b oder gis statt as, je nach Zusammenhang. Mehr dazu unter Enharmonische Verwechslung.

Wo man sie hört

Genutzt wurde die Ganztonleiter vor allem in der Musik um 1900, als Komponisten nach Alternativen zur funktionalen Harmonik suchten. Sie begegnet dort als Klangfläche, als Lauffigur und als Mittel, tonale Bezüge auszusetzen. Eng verbunden ist sie mit dem Impressionismus.

Zum Üben: Spiele die Ganztonleiter auf c am Klavier und achte darauf, dass kein Ton „nach Hause“ zieht. Spiele danach C-Dur und höre den Unterschied, der durch die beiden Halbtonschritte entsteht. Im Tonleiter-Hörtraining lernst du, Dur und Moll am Klang zu unterscheiden. Die Ganztonleiter ist dafür ein gutes Gegenbild.