Flageolett
Obertonklang durch leichtes Berühren der Saite.
Was es bedeutet
Beim Flageolett wird die Saite nicht auf das Griffbrett gedrückt, sondern nur leicht berührt — genau an einem Punkt, der die Saite in gleiche Teile teilt. Die Grundschwingung wird dadurch unterdrückt, und es erklingt ein Oberton: bei Berührung in der Mitte die Oktave, beim Drittel die Duodezime, beim Viertel die Doppeloktave. Der Ton ist hell, flötenartig und arm an tiefen Teiltönen; daher der Name, der auf ein altes Flöteninstrument zurückgeht. Man unterscheidet natürliche Flageoletts auf der leeren Saite und künstliche, bei denen ein Finger die Saite verkürzt und ein zweiter im Abstand einer reinen Quarte leicht aufliegt.
Im Notenbild
Natürliche Flageoletts stehen als Note mit einem kleinen Kreis darüber. Künstliche werden mit zwei Notenköpfen geschrieben: unten der gegriffene Ton als normaler Kopf, darüber der Berührungspunkt als Raute. Der klingende Ton wird zusätzlich häufig als kleine Note in Klammern angegeben, weil er sich nicht auf den ersten Blick ergibt.
Musikalische Verwendung
Flageoletts liefern eine Klangfarbe, die sich vom normalen Streicherton deutlich absetzt: körperlos, kühl, leise. Sie erscheinen als Schlusstöne, in schwebenden Begleitfiguren und in der Musik des 20. Jahrhunderts als eigenständiges Material, auch in Ketten oder Glissandi. Auf Harfe und Gitarre gehören sie ebenfalls zum festen Bestand. Weil sie wenig Kraft haben, werden sie sparsam begleitet.
Spielpraxis
Der Finger liegt leicht auf, aber mit klarem Kontakt — zu viel Druck ergibt einen gedrückten Ton, zu wenig ein Rauschen. Entscheidend ist die Treffsicherheit des Berührungspunkts; übe ihn zunächst als normal gegriffenen Ton, um die Lage zu sichern, und nimm dann den Druck zurück. Der Bogen braucht etwas mehr Geschwindigkeit bei geringem Gewicht und einen Kontaktpunkt eher nahe am Steg. Künstliche Flageoletts gelingen in höheren Lagen leichter, weil die Quarte dort kleiner ausfällt. Bei kaltem Instrument oder alten Saiten sprechen sie schlechter an — plane für den Auftritt entsprechend.