Frikativ
Reibelautartige Singweise.
Was es bedeutet
Frikativ ist ein Begriff aus der Lautlehre und bezeichnet einen Reibelaut: einen Konsonanten, bei dem die Luft durch eine Engstelle im Mund strömt und dabei ein Reibegeräusch erzeugt. Dazu gehören im Deutschen unter anderem f, w, s, sch und ch. Für den Gesang ist die Gruppe wichtig, weil diese Laute Luft verbrauchen, den Tonfluss unterbrechen und in ihrer Dauer gestaltbar sind — anders als Verschlusslaute, die punktuell sind.
Musikalische Verwendung
In der Textbehandlung entscheidet der Umgang mit Frikativen über Verständlichkeit und Klang. Zu kurz ausgeführt gehen sie im Raum verloren, zu lang oder zu kräftig stören sie die Linie und werden in Aufnahmen unangenehm. Im Chorgesang müssen sie gemeinsam gesprochen werden, sonst entsteht ein Zischen, das den Klang zerreißt; deshalb wird häufig festgelegt, wo genau ein Schlusskonsonant fällt. In der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts werden Reibelaute zudem als eigenständiges Material eingesetzt: Ganze Passagen bestehen aus geräuschhaften Lauten ohne Tonhöhe, notiert mit eigenen Zeichen.
Spielpraxis
Bilde Frikative kurz und präzise und lege den Schlusskonsonanten in der Gruppe auf eine verabredete Zählzeit. Halte den Luftstrom für den Vokal bereit, damit der Ton nach dem Konsonanten sofort steht. Achte bei s-Lauten auf sparsame Ausführung, besonders vor einem Mikrofon. Übe Textpassagen zunächst gesprochen im Rhythmus, um zu hören, wie viel Konsonant nötig ist. Bei zeitgenössischen Werken mit geräuschhaften Lauten kläre vorab, wie laut und wie lang diese Laute gemeint sind, weil die Notation dafür nicht einheitlich ist.
Reibelaute am Wortende im Chor besonders auffallen: Ein nicht verabredetes s erzeugt ein Zischen, das den Klang zerreißt. Lege fest, auf welche Zählzeit der Schlusskonsonant fällt, und übe ihn gesondert. Im Solo gilt, dass ein kurz und präzise gebildeter Reibelaut deutlicher ist als ein langer. Vor dem Mikrofon empfiehlt sich sparsame Ausführung und ein leicht seitlicher Stand.