Zum Inhalt springen
Vortrag

Gelassen

Ruhig, gesammelt.

Was es bedeutet

Gelassen ist eine deutsche Vortragsbezeichnung und verlangt einen ruhigen, gesammelten Vortrag: ohne Drängen, ohne Aufregung, mit gleichmäßigem Puls und ausgeglichener Dynamik. Sie entspricht dem italienischen tranquillo oder calmo.

Die Angabe betrifft die Haltung, nicht das Tempo. Auch eine bewegte Musik kann gelassen wirken, wenn sie nicht drängt; umgekehrt kann ein langsamer Satz unruhig sein.

Von entspannt, das die Lösung von Spannung meint, unterscheidet sich gelassen durch die Sammlung: Gemeint ist nicht Nachlassen, sondern Ruhe aus Sicherheit. Von andächtig unterscheidet es sich dadurch, dass kein geistlicher Ton mitschwingt.

Im Notenbild

Das Wort steht über dem System am Beginn eines Satzes oder Abschnitts, in deutschsprachigen Ausgaben anstelle einer italienischen Angabe. Es gilt bis zu einer neuen Angabe und kann Teil des Satznamens werden. Häufig findet es sich über Sätzen mit gleichmäßiger Begleitfigur und ruhig geführter Melodie.

Musikalische Verwendung

Verwendet wird die Bezeichnung in langsamen und mittleren Sätzen, in Mittelteilen nach bewegten Abschnitten und in Schlussteilen, die zur Ruhe kommen. In der Lied- und Klavierliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts steht sie über Stücken von ausgeglichenem Charakter. Als Gegenpol zu drängenden Angaben gehört sie zu den Mitteln, mit denen ein Werk seine Spannungsverläufe gliedert.

Die Anweisung verlangt einen ruhigen, ausgeglichenen Vortrag ohne Hast oder Druck. Sie steht in deutschen Partituren der Romantik und des 20. Jahrhunderts und entspricht italienisch tranquillo. Gleichmäßiger Puls, weiche Tongebung und ruhige Phrasierung prägen den Charakter. Gelassenheit bedeutet nicht Langsamkeit: Auch ein bewegtes Tempo kann gelassen wirken, wenn es nicht gedrängt wird. ## Spielpraxis

Halte den Puls unbeirrt; Gelassenheit entsteht aus Stetigkeit, nicht aus Langsamkeit. Nimm die Betonungen zurück und lass die Phrasen ohne Nachdruck enden. Halte die Dynamik in mittleren Grenzen und vermeide große Bögen. Und prüfe deine eigene Spannung — ein verkrampfter Arm oder ein gepresster Atem ist im Klang hörbar.