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Vortrag

Andächtig

Mit innerer Sammlung und Demut.

Was es bedeutet

Andächtig ist eine deutsche Vortragsbezeichnung und verlangt einen Vortrag von innerer Sammlung: ruhig, konzentriert, ohne äußere Wirkung. Der Sache nach entspricht sie dem italienischen religioso oder devoto.

Wie alle Charakterwörter beschreibt sie eine Haltung, die sich in mehreren Mitteln niederschlägt: ein ruhiges Tempo ohne Drängen, gleichmäßige Dynamik im mittleren bis leisen Bereich, gebundene Linien, sparsame Gestaltung. Gerade der Verzicht auf auffällige Mittel gehört zum gemeinten Ausdruck.

Von gelassen und tranquillo, die Ruhe im Sinne von Gelöstheit meinen, unterscheidet sich andächtig durch die Ernsthaftigkeit; von religioso kaum, außer dass Letzteres stärker auf den kirchlichen Zusammenhang verweist.

Im Notenbild

Das Wort steht über dem System am Beginn eines Satzes oder Abschnitts, in deutschsprachigen Ausgaben anstelle einer italienischen Angabe. Es kann Teil des Satznamens werden. Häufig findet es sich über Sätzen mit choralartigem Satzbild — akkordische Bewegung, gleichmäßige Werte, wenig Verzierung.

Musikalische Verwendung

Verwendet wird die Bezeichnung in Kirchenmusik, in Chorälen und Choralbearbeitungen sowie in Instrumentalsätzen, die einen geistlichen Ton anschlagen. Auch außerhalb des kirchlichen Zusammenhangs steht sie über Abschnitten, die innehalten und zur Ruhe kommen sollen — etwa vor einem Schluss oder nach einem bewegten Teil.

Die Anweisung ist typisch für deutsche Kirchenmusik und für Choräle, Orgelvorspiele und geistliche Lieder. Sie verlangt ruhiges Tempo, gleichmäßige Bewegung und eine gesammelte, nach innen gewandte Haltung. Andächtig bedeutet nicht leblos: Die Musik soll getragen und würdig wirken, ohne zu schleppen. In der Romantik steht die Angabe auch in weltlichen Stücken, wenn eine feierliche, gebetsähnliche Stimmung gemeint ist. Italienische Entsprechungen sind religioso oder devoto. ## Spielpraxis

Halte das Tempo gleichmäßig und verzichte auf Rubato; die Sammlung entsteht aus der Stetigkeit. Spiele die Akkorde ausgewogen, ohne einzelne Töne hervorzuheben. Halte die Dynamik im mittleren bis leisen Bereich und vermeide Steigerungen, sofern sie nicht notiert sind. Und lass Zeit an den Phrasengrenzen, ohne den Puls zu verlieren.