Gestrichen
Mit Bogen gespielt.
Was es bedeutet
Gestrichen heißt: Der Ton wird mit dem Bogen erzeugt, nicht gezupft, geschlagen oder angeblasen. Die deutsche Angabe entspricht dem italienischen arco und bildet den Normalfall beim Spiel von Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass und den historischen Gamben. Dass ein Ton gestrichen wird, bedeutet vor allem eines: Die Energiezufuhr hört während des Klingens nicht auf, der Spieler kann ihn also aushalten, anschwellen und abnehmen lassen.
Musikalische Verwendung
Der gestrichene Klang ist die Grundlage dafür, dass Streicher im Orchester die tragende Schicht bilden. Anders als beim gezupften Ton, der sofort abklingt, lässt sich die Lautstärke innerhalb eines Tones formen; damit kommen Streichinstrumente der menschlichen Stimme klanglich näher als die meisten anderen Instrumente. Aus dieser Eigenschaft folgen ganze Satztraditionen: gehaltene Begleitakkorde, lange Melodiebögen, allmähliche Steigerungen über viele Takte. In der Verwendung als Fachbegriff steht „gestrichen" meist im Gegensatz zu „gezupft" und trennt so zwei Klangwelten desselben Instruments.
Das Gegenstück ist gezupft, pizzicato. In Partituren wird der Wechsel mit arco angezeigt. ## Spielpraxis
Achte beim gestrichenen Ton zuerst auf die drei Größen, die ihn bestimmen: Bogengeschwindigkeit, Armgewicht und Kontaktpunkt zwischen Steg und Griffbrett. Sie hängen voneinander ab — mehr Gewicht verlangt entweder mehr Tempo oder einen Punkt näher am Steg, sonst wird der Ton gedrückt. Übe lange Ganze über den vollen Bogen und höre, ob die Lautstärke gleich bleibt; das ist die nützlichste Grundübung überhaupt. Kontrolliere, dass das Haar flach genug auf der Saite liegt: zu stark gekippt klingt der Ton dünn. Wechselst du innerhalb eines Stückes zwischen gezupften und gestrichenen Abschnitten, plane die Bogenhaltung während des Zupfens mit, damit der erste gestrichene Ton sicher anspricht.
der gestrichene Ton als einziger beliebig lange gehalten und dabei verändert werden kann: Nutze das, statt in kurzen Einheiten zu denken. Im Register ist ein gemeinsamer Kontaktpunkt die Voraussetzung für einen einheitlichen Klang.