Pizzicato
Pizzicato (italienisch „gezupft“) ist eine Spielanweisung für Streichinstrumente: Die Saiten werden mit den Fingern gezupft statt mit dem Bogen gestrichen. Im Notenbild steht meist die Abkürzung „pizz.“. Sie gilt, bis „arco“ zum Bogenspiel zurückführt.
- Bedeutung
- Saiten mit den Fingern zupfen statt mit dem Bogen streichen
- Zeichen
- „pizz.“ im Notentext, meist am Anfang der gezupften Stelle
- Aufgehoben durch
- arco
- Gilt für
- Streichinstrumente
Zupfen statt streichen
Streichinstrumente erzeugen ihren Ton normalerweise mit dem Bogen. „Pizz.“ verlangt etwas anderes: Die Saite wird mit der Fingerkuppe gezupft, in der Regel mit der rechten Hand, die sonst den Bogen führt. Der Ton setzt dann mit einem Anschlag ein und verklingt, statt gehalten zu werden. Er ist kurz und klingt deutlich anders als ein gestrichener Ton. Meist gibt es dafür kein eigenes Zeichen: Die Noten sehen aus wie sonst, nur das Wort verrät die Spielweise.
Erst gezupft, dann mit dem Bogen
Eigenes Beispiel für eine Bassstimme: Die ersten acht Viertel stehen unter „pizz.“, die ganze Note am Ende unter „arco“. Beim Abspielen klingen beide Teile gleich, denn der Computer kennt den Unterschied zwischen Zupfen und Streichen hier nicht. Im Notenbild trennt allein das Wort die beiden Spielweisen.
Wo es im Notenbild steht
Die Anweisung steht am Anfang der gezupften Stelle und gilt, bis ein „arco“ (oder „coll’arco“) zum Bogen zurückführt. Das zeigen die drei Blätter aus dem Archiv:
Gesang und Klavier
-
Signor, Signor, lasciate far a me (Serse) Händel / Wolff · Bass und Klavier, mit Akkorden für Gitarre · 1 Seite
Unter dem Auftakt steht im Klaviersatz „(pizzicato unisono)“ (unisono: im Einklang) mit f; die Beschriftung darüber nennt Streichquintett und Cembalo als Tutti, das der Klaviersatz wiedergibt. Erst in Takt 13 steht „(arco)“. Der Satz beginnt mit „Allegro“ im 4/4-Takt, die Vorzeichnung hat ein ♭.
Orchester
-
Sinfonie Nr. 7 A-Dur, 2. Satz: Allegretto Ludwig van Beethoven · Partitur · 54 Seiten
Auf Seite 17 steht in Takt 101 „pizz.“ über den beiden untersten Zeilen, Violoncello I und Violoncello II e Basso: ein Viertel und zwei Achtel aufwärts. Danach folgt ein Doppelstrich, die Vorzeichnung wechselt zu drei Kreuzen.
-
Sinfonie Nr. 9 e-Moll, 2. Satz: Largo Antonín Dvořák · Partitur · 18 Seiten
Auf Seite 5 beginnt der Kontrabass in Takt 48 mit „pizz.“ und pp in Achteln, nachdem er fünf Takte lang pausiert hat. Über der Partitur steht ab Takt 46 „Un poco più mosso“.
Im Auszug aus „Serse“ steht beides im selben Blatt: „pizzicato unisono“ am Auftakt, „(arco)“ in Takt 13. In den Partituren von Beethoven und Dvořák steht „pizz.“ unter oder über der Zeile der jeweiligen Stimme, im Orchester also nur bei den Streichern, die es betrifft.
Abgrenzung
Pizzicato ist keine Artikulationsangabe wie Staccato. Staccato bedeutet, dass ein Ton kurz gespielt wird, und kann mit dem Bogen, auf dem Klavier und auf anderen Instrumenten gespielt werden. Beim Pizzicato ändert sich dagegen die Art, den Ton zu erzeugen. Ebenfalls etwas anderes ist „col legno“: Dort wird der Bogen weiter benutzt, aber mit dem Holz statt mit den Haaren. Beim Pizzicato wird der Bogen nicht benutzt.
Daneben gibt es Sonderformen: Das Pizzicato der linken Hand bezeichnet man mit einem kleinen Kreuz über der Note.
Häufige Fehler
- Das Ende übersehen: „pizz.“ gilt, bis „arco“ oder „coll’arco“ kommt. Wer nur auf die Noten schaut, spielt womöglich zu lange gezupft.
- Pizzicato mit Staccato gleichsetzen: Ein gezupfter Ton klingt von selbst kurz, ein Staccato-Punkt aber sagt etwas über die Länge, nicht über die Spielweise.
- Linke und rechte Hand verwechseln: Ohne Zusatz zupft man mit der rechten Hand; das kleine Kreuz über der Note fordert die linke.
Weiter auf Maikstrings
Verwandte Begriffe
ArcoCol legnoTremoloStaccatoStreicherKontrabassCon sordinoArtikulation
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
← Zurück zum Glossar