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Form

Glosas

Instrumentale Variationen über bekannte Melodien in der spanischen Lauten- und Orgelmusik des 16. Jahrhunderts.

Was es bedeutet

Glosas, spanisch für „Glossen“ oder „Erläuterungen“, sind instrumentale Variationen über eine bekannte Melodie oder einen Bass, wie sie in der spanischen Lauten-, Vihuela- und Orgelmusik des 16. Jahrhunderts gepflegt wurden. Die Vorlage, oft ein Lied oder Tanz, wird dabei nicht verändert, sondern mit Läufen, Umspielungen und kleinen Figuren „kommentiert“.

Musikalische Verwendung

Die Glosas gehören zur Diminutionspraxis der Renaissance: Lange Noten werden in schnelle Figuren aufgelöst und lassen die Melodie im Hintergrund erkennbar. Eine wichtige Quelle ist Diego Ortiz’ Tratado de glosas, 1553 in Rom gedruckt, das Regeln und Beispiele für das Ausschmücken von Vokalsätzen und Bässen gibt. Ähnliche Verfahren finden sich in den „diferencias“ spanischer Komponisten wie Antonio de Cabezón.

Abzugrenzen sind die Glosas von der freien Fantasie, die keine bekannte Vorlage benötigt, und von der Variation des Barock, die häufig die Harmonie verändert. Glosas bleiben eng an ihrem Modell und leben vom Ausschmücken.

Spielpraxis

Wenn du Glosas spielst, halte die zugrunde liegende Melodie oder den Bass im Ohr und gestalte die Figuren so, dass sie das Modell umspielen, aber nicht verdecken. Wähle ein Tempo, in dem die schnellen Läufe deutlich und gleichmäßig klingen.