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Vortrag

Improvisation

Spontane Tonschöpfung beim Musizieren.

Was es bedeutet

Improvisation bezeichnet das Erfinden von Musik im Moment des Spielens. Der Ausführende ist zugleich Komponist: Er entscheidet über Töne, Rhythmen und Formverlauf, während er spielt, statt einen festgelegten Notentext wiederzugeben.

Improvisation geschieht selten aus dem Nichts. Sie beruht fast immer auf einem Rahmen — einer Harmoniefolge, einem Thema, einem Tanzmodell, einer Tonart — und auf einem Vorrat an Wendungen, den der Improvisierende beherrscht. Freiheit entsteht aus Können, nicht aus dessen Fehlen.

Zu unterscheiden ist sie von der Interpretation, die einen vorhandenen Text deutet, und vom Blattspiel, das einen unbekannten Text unmittelbar liest. Gleichbedeutend wird extempore gebraucht.

Im Notenbild

Improvisierte Musik ist ihrer Natur nach nicht notiert. Der Notentext gibt allenfalls den Rahmen vor: Akkordsymbole im Jazz, eine Bassstimme mit Ziffern im Generalbass, eine Fermate über einem Akkord als Platz für eine Kadenz, ein Thema, über das zu variieren ist.

Musikalische Verwendung

Über Jahrhunderte gehörte das Improvisieren selbstverständlich zum Musikerberuf. Organisten improvisierten im Gottesdienst, Continuospieler ihren Satz, Solisten ihre Kadenzen und Verzierungen. Im 19. Jahrhundert tritt diese Praxis in der Kunstmusik zurück, während sie im Jazz zum Mittelpunkt wird. In Kirchenmusik, Volksmusik und historisch orientierter Aufführungspraxis ist sie bis heute lebendig.

In der europäischen Kunstmusik gehörte die Improvisation bis ins 19. Jahrhundert zum Handwerk: Generalbassspieler improvisierten die Harmonien, Solisten ihre Verzierungen und Kadenzen, Organisten ganze Fugen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts ging diese Praxis zurück, als der Notentext immer genauer festgelegt wurde. Lebendig blieb sie in Jazz, Volksmusik, Kirchenmusik und in außereuropäischen Traditionen. ## Spielpraxis

Beginne mit einem engen Rahmen — wenige Töne, eine Harmoniefolge, ein Rhythmus — und erweitere ihn schrittweise. Lege dir einen Vorrat an Wendungen an und übe sie in verschiedenen Tonarten. Denke in Phrasen und plane Zielpunkte, statt Ton an Ton zu reihen. Und halte den Puls: Ein gleichmäßiger Ablauf trägt auch einfache Einfälle, ein stockender verdirbt auch gute.