Extempore
Aus dem Stegreif, improvisiert.
Was es bedeutet
Extempore kommt aus dem Lateinischen und heißt „aus dem Augenblick heraus". Gemeint ist ein Vortrag ohne Vorbereitung: Der Ausführende erfindet die Musik im Moment des Spielens.
Der Begriff ist weitgehend gleichbedeutend mit Improvisation. Wo unterschieden wird, betont extempore stärker die Spontaneität des Anlasses — etwas wird eingeschoben, hinzugefügt, aus dem Stegreif erfunden —, während Improvisation den Vorgang allgemein bezeichnet.
Zu unterscheiden ist beides vom Blattspiel: Dort wird ein vorhandener Notentext ohne Vorbereitung gelesen, hier ohne Vorlage erfunden. Ebenfalls zu trennen ist der Begriff von ad libitum, das eine Freiheit innerhalb eines notierten Werks einräumt.
Im Notenbild
Als Anweisung erscheint das Wort selten. Wo eine Stelle frei zu erfinden ist, zeigen das eher Angaben wie cadenza, eine Fermate über einer Pause oder ein leerer Takt mit einem entsprechenden Hinweis an. In Generalbassstimmen ist das freie Ausfüllen des Satzes ohnehin vorausgesetzt und wird nicht eigens bezeichnet.
Musikalische Verwendung
Das Erfinden aus dem Stegreif gehörte über Jahrhunderte zum Handwerk des Musikers. Organisten improvisierten Vor- und Nachspiele, Solisten ihre Kadenzen, Continuospieler ihren Satz. Im Lauf des 19. Jahrhunderts tritt diese Praxis in der Kunstmusik zurück, während sie in Jazz, Volksmusik und Kirchenmusik lebendig bleibt. In der historisch orientierten Aufführungspraxis wird sie seit einigen Jahrzehnten wieder geübt.
Der Ausdruck wird auch im Theater gebraucht, wo er die improvisierte Zugabe eines Schauspielers meint. In der Musik bezeichnet er das Spiel aus dem Stegreif, also ohne Vorbereitung. Heute wird dafür meist Improvisation gesagt, extempore klingt altertümlich und wird eher im Sinn eines spontanen Einfalls gebraucht. ## Spielpraxis
Improvisieren heißt nicht, ohne Vorbereitung zu sein: Wer über einen Vorrat an Wendungen, Kadenzmodellen und Figuren verfügt, erfindet freier. Lege vor dem ersten Ton Tonart, Taktart und Länge fest. Denke in Phrasen und plane einen Zielpunkt. Und halte den Puls — ein stockender Ablauf verrät die Unsicherheit schneller als eine falsche Note.