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Geschichte

Isorhythmie

Mittelalterliche Kompositionstechnik, bei der ein rhythmisches Muster unabhängig von der Melodie wiederholt wird (bes. Motetten des 14. Jh.).

Was es bedeutet

Isorhythmie, griechisch für „gleicher Rhythmus“, ist eine mittelalterliche Kompositionstechnik, bei der ein festes rhythmisches Muster mehrfach wiederholt wird, unabhängig davon, welche Töne gerade erklingen. Rhythmus und Melodie sind also zwei getrennte, sich überlagernde Ordnungsebenen.

Musikalische Verwendung

Die Technik prägt vor allem die Tenorstimme französischer Motetten des 14. Jahrhunderts, der Epoche der Ars nova. Das rhythmische Muster, die Talea, wird mehrfach wiederholt, während die zugrunde liegende Melodie, der Color, eine andere Länge haben und sich unabhängig davon wiederholen kann, sodass Talea und Color bei jeder Wiederholung neu zusammentreffen. Komponisten wie Guillaume de Machaut nutzten die Isorhythmie, um komplexe, in sich stimmige Formen zu bauen.

Abzugrenzen ist die Isorhythmie vom einfachen Ostinato, bei dem ein Muster meist unverändert und ohne die komplexe Überlagerung von Talea und Color wiederholt wird, sowie vom Kanon, der dieselbe Melodie zeitversetzt in mehreren Stimmen wiederholt. Isorhythmie betrifft speziell die Wiederholung des Rhythmus, nicht zwingend der Melodie.

Spielpraxis

Verfolge beim Hören isorhythmischer Musik zunächst das rhythmische Grundmuster in der Tenorstimme und zähle seine Wiederholungen. Vergleiche dann, wie die Melodie darüber jeweils neue Töne mit demselben Rhythmus verbindet, um das Zusammenspiel von Talea und Color zu erkennen.