Kapellmeister
Leiter einer Hofkapelle oder Oper.
Was es bedeutet
Kapellmeister bezeichnet den Leiter eines Musikensembles — ursprünglich einer Hofkapelle, später auch eines Opern- oder Theaterorchesters. Das Wort ist keine Vortragsanweisung, sondern eine Berufsbezeichnung.
Die Aufgaben waren umfassend. Der Kapellmeister leitete die Aufführungen, probte mit Sängern und Instrumentalisten, war für das Repertoire verantwortlich und komponierte in vielen Fällen selbst die Musik, die er aufführte. An Höfen und Kirchen des 17. und 18. Jahrhunderts war er eine der zentralen Figuren des Musiklebens.
Zu unterscheiden ist der Kapellmeister vom heutigen Dirigenten im engeren Sinn. Dieser hat sich im 19. Jahrhundert als eigener Beruf herausgebildet, dessen Aufgabe vor allem die Leitung und Deutung fremder Werke ist. Im Theaterbetrieb hat sich der Titel als Rangbezeichnung erhalten, etwa als Erster Kapellmeister oder Generalmusikdirektor.
Musikalische Verwendung
Die Stellung des Kapellmeisters prägte über lange Zeit die Arbeitsbedingungen der Komponisten. Viele Werke entstanden als Pflichtaufgabe für bestimmte Anlässe — Gottesdienste, Feste, Opernspielzeiten — und sind nur aus diesem Zusammenhang zu verstehen. Die Leitung selbst geschah im 18. Jahrhundert häufig vom Cembalo oder von der ersten Violine aus, nicht mit dem Taktstock.
Im 17. und 18. Jahrhundert war der Kapellmeister an einem Hof oder einer Kirche für die gesamte Musik verantwortlich: Er komponierte, leitete Aufführungen und bildete Musiker aus. Bach war Kapellmeister in Köthen, Haydn in Esterháza. Im 19. Jahrhundert wurde der Titel an Opernhäusern üblich, wo es Erste und Zweite Kapellmeister gab, die unter dem Generalmusikdirektor dirigieren. Heute bezeichnet der Titel vor allem Dirigenten an Theatern; umgangssprachlich wird Kapellmeistermusik abwertend für handwerklich solide, aber wenig originelle Musik gebraucht. ## Spielpraxis
Wer Musik aufführt, die für eine Hofkapelle entstand, sollte deren Besetzung und Aufführungsbedingungen kennen: Die Ensembles waren oft kleiner als heute, und die Leitung war in das Musizieren eingebunden. Für Ensembles ohne Dirigenten lohnt der Blick auf diese Praxis, denn die Leitung durch einen Mitspielenden verlangt andere Formen der Verständigung als das Dirigat von außen.