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Stimme

Kastrat

Sänger, dessen Knabenstimme durch Kastration erhalten blieb; Blütezeit im 17./18. Jahrhundert.

Was es bedeutet

Ein Kastrat war ein Sänger, dessen kindliche, hohe Stimmlage durch eine vor der Pubertät durchgeführte Kastration dauerhaft erhalten blieb. Da der Stimmbruch ausblieb, verfügte er über eine Sopran- oder Altstimme, die sich mit der ausgewachsenen Lungen- und Brustkapazität eines Mannes verband und dadurch besonders kraftvoll und tragfähig klang.

Musikalische Verwendung

Kastraten hatten ihre Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert, vor allem in der italienischen Oper, wo sie oft die männlichen Hauptrollen sangen. Berühmte Kastraten wie Farinelli erlangten europaweiten Ruhm und außergewöhnliche Gagen. Auch in der katholischen Kirchenmusik, wo Frauenstimmen lange nicht zugelassen waren, sangen Kastraten hohe Partien. Die Praxis wurde im 19. Jahrhundert zunehmend geächtet und verschwand um 1900 endgültig.

Abzugrenzen ist der Kastrat vom Countertenor, der die hohe Lage ohne körperlichen Eingriff allein durch Kopfstimme oder Falsett erreicht, sowie von der Sopranistin oder Altistin, deren Stimme auf natürlicher weiblicher Anatomie beruht. Heutige Aufführungen von Kastratenpartien übernehmen meist Countertenöre oder, historisch informiert, Frauenstimmen.

Spielpraxis

Wenn du historische Partien hörst, die ursprünglich für Kastraten geschrieben wurden, achte auf die Kombination aus hoher Stimmlage und kraftvoller Tragfähigkeit, die das Besondere dieser Stimmen ausmachte. In heutigen Aufführungen mit Countertenor oder Frauenstimme geht es darum, diesen Charakter mit den heute verfügbaren Stimmen möglichst überzeugend nachzubilden.