Barock
Musikepoche zwischen 1600 und 1750.
Was es bedeutet
Barock bezeichnet die Musikepoche etwa zwischen 1600 und 1750. Die Jahreszahlen sind Anhaltspunkte, keine Grenzen: Der Übergang aus der Renaissance vollzog sich über Jahrzehnte und regional unterschiedlich, und ebenso fließend verlief der Weg in die folgende Epoche. Kennzeichnend ist der Generalbass, der die Musik dieser Zeit so durchgängig prägt, dass man auch vom Generalbasszeitalter spricht: Über einer bezifferten Bassstimme werden die Harmonien ergänzt, und darüber liegen eine oder mehrere Oberstimmen.
Musikalische Verwendung
Aus dieser Anlage folgt vieles. Die Zweipoligkeit von Bass und Oberstimme bestimmt den Satz; die Harmonik wird funktional geordnet, Dur und Moll setzen sich gegenüber den Kirchentonarten durch. Es entstehen neue Gattungen: Oper, Oratorium, Kantate, Sonate, Konzert und Suite. Charakteristisch ist ferner die Vorstellung, dass ein Satz einen einheitlichen Affekt darstellt, sowie die Terrassendynamik, bei der Lautstärkestufen gegeneinandergesetzt statt allmählich verbunden werden. Vieles blieb in den Quellen ungeschrieben — Verzierungen, Besetzung, Ausführung des Continuo —, weil es zur selbstverständlichen Praxis gehörte.
Spielpraxis
Kläre vor der Arbeit Besetzung und Stimmtonhöhe, weil beides nicht feststeht. Erarbeite den Continuo aus der Bezifferung und halte ihn dünn und beweglich. Nimm Verzierungen als Bestandteil der Ausführung ernst und erarbeite sie bewusst, besonders bei Wiederholungen. Gestalte Dynamik eher in Stufen als in langen Übergängen und arbeite mit Artikulation als Hauptausdrucksmittel. Prüfe die Ausgabe auf Herausgeberzusätze und trenne sie von den Angaben der Quelle.
Für die Praxis wichtig ist zudem die Frage der Stimmtonhöhe: Sie lag regional verschieden und meist tiefer als der heutige Normalton, was Besetzung, Saitenwahl und Gesangslagen unmittelbar betrifft. Kläre sie vor der ersten Probe. Tempoangaben sind in dieser Musik oft Charakterbezeichnungen und keine Geschwindigkeitsmaße; der Taktcharakter und die vorherrschenden Notenwerte geben mehr Auskunft. Nimm schließlich die Notation ernst, ohne sie wörtlich zu nehmen: Punktierungen, Auftakte und ungleiche Ausführung gleichmäßig notierter Noten gehören zu den Fragen, die jedes Ensemble ausdrücklich entscheiden muss.