Lied ohne Worte
Liedhaftes Klavierstück ohne Text (Mendelssohn).
Was es bedeutet
Ein Lied ohne Worte ist ein kurzes Klavierstück, das die Anlage eines Kunstlieds nachbildet, ohne dass ein gesungener Text vorhanden ist: eine gesangliche, oft in der Oberstimme geführte Melodie erklingt über einem begleitenden Klaviersatz, ganz wie bei einem Lied die Singstimme über der Klavierbegleitung.
Der Name geht auf Felix Mendelssohn Bartholdy zurück, der zwischen 1829 und 1845 acht Hefte mit je sechs solchen Stücken unter dem Titel Lieder ohne Worte veröffentlichte und damit die Gattung begründete.
Musikalische Verwendung
Mendelssohns Stücke sind meist dreiteilig angelegt und tragen häufig Beinamen wie Venetianisches Gondellied oder Frühlingslied, die eine Stimmung andeuten, ohne ein konkretes Programm vorzugeben. Die Gattung fand rasch Nachahmer, etwa bei Charles-Valentin Alkan und in vergleichbaren charakterstückhaften Klavierminiaturen anderer Komponisten des 19. Jahrhunderts.
Abzugrenzen ist das Lied ohne Worte vom vertonten Kunstlied, bei dem Text und Musik untrennbar verbunden sind, sowie vom allgemeineren Charakterstück, das nicht zwingend eine liedhafte Melodie-Begleitung-Struktur voraussetzt.
Spielpraxis
Behandle die Oberstimme beim Üben bewusst wie eine Gesangslinie: Phrasiere sie atmend, mit klarem Höhepunkt, und halte die Begleitstimmen deutlich leiser und gleichmäßiger im Hintergrund. So entsteht der liedhafte Charakter, der dem Stück seinen Namen gibt.