Messa di voce
Anschwellen und Abnehmen eines gehaltenen Tones.
Was es bedeutet
Messa di voce bezeichnet das gleichmäßige An- und Abschwellen eines einzelnen, gehaltenen Tones: Der Ton beginnt sehr leise, wächst bis zur vollen Stärke und nimmt wieder bis zum Verlöschen ab, ohne dass Tonhöhe oder Klangfarbe sich verändern. Die Übung stammt aus der italienischen Gesangslehre und gilt seit dem 17. Jahrhundert als Kernstück der Ausbildung; sie prüft Atemführung, Stütze und Registerausgleich zugleich. Vom filar il suono, dem gleichmäßig gehaltenen Ton, unterscheidet sie sich durch die bewusste dynamische Bewegung.
Im Notenbild
Verlangt wird sie durch zwei aneinandergesetzte Gabeln über einer langen Note — erst öffnend, dann schließend — oder durch die Angabe selbst. Häufig steht sie ohne besondere Kennzeichnung im stilistischen Zusammenhang, etwa in Musik des 17. und 18. Jahrhunderts, wo sie zur selbstverständlichen Ausführung gehörte.
Musikalische Verwendung
Als Ausdrucksmittel gibt die messa di voce einem einzelnen Ton eine innere Entwicklung und damit Gewicht: Ein langer Anfangston kann so aus der Stille kommen und wieder in sie zurückkehren. In der Belcanto-Tradition steht sie im Wechsel mit beweglichen Passagen und markiert Ruhepunkte. Auch Instrumentalisten kennen die Aufgabe — Streicher und Bläser üben dasselbe, und in Werken der Zeit wird die Wirkung oft von beiden Seiten erwartet. Die Orgel dagegen kann sie ohne Schwellwerk nicht ausführen, was ihre Musik anders gestalten lässt.
Spielpraxis
Übe zunächst in mittlerer Lage auf einem bequemen Vokal und teile den Ton gedanklich in zwei gleich lange Hälften. Beginne mit wenig Luft, aber voller Stütze; der häufigste Fehler ist ein kraftloser Anfang, der später nachgedrückt werden muss. Achte darauf, dass Vokalfarbe und Kehlkopfstellung sich nicht verändern, und kontrolliere das mit einer Aufnahme. Halte das Wachsen und Abnehmen gleichmäßig, ohne Stufen. Plane den Atem so, dass am Ende Reserve bleibt.
die Übung in Musik des 17. und 18. Jahrhunderts häufig erwartet wurde, ohne im Notentext zu stehen: Wo ein langer Ton am Phrasenbeginn steht, ist eine solche Gestaltung oft gemeint. Prüfe den stilistischen Zusammenhang. Teile den Ton gedanklich in zwei gleiche Hälften und plane den Scheitelpunkt. Kontrolliere mit einer Aufnahme, ob Tonhöhe und Klangfarbe wirklich gleich bleiben.