Filar il suono
Den Ton gleichmäßig aushalten lassen.
Was es bedeutet
Filar il suono heißt wörtlich, den Ton zu spinnen: Ein gehaltener Ton wird mit vollkommen gleichbleibender Lautstärke, Farbe und Tonhöhe ausgeführt, ohne Schwankung und ohne Vibrato-Übertreibung, wie ein gleichmäßig gezogener Faden. Der Begriff stammt aus der italienischen Gesangslehre und beschreibt zugleich eine Übung und ein Ausdrucksmittel. Ältere Lexika führen den Ausdruck auch als filar il tuono: Riemanns Musiklexikon von 1929 beschreibt ihn als gleichmäßiges, andauerndes Ausströmenlassen des Tons und stellt ihn in die Nähe der messa di voce, bei der jedoch gewöhnlich ein An- und Abschwellen desselben Tons mitverstanden wird.
Musikalische Verwendung
Die Fähigkeit, einen Ton ruhig zu halten, gilt als Prüfstein der Gesangstechnik, weil sich darin Atemführung, Stütze und Kehlkopfstellung zeigen. Musikalisch dient sie überall dort, wo eine lange Note Ruhe ausstrahlen soll — in langsamen Arien, in geistlicher Musik, am Beginn oder Ende einer Phrase. In der Belcanto-Tradition ist sie ein bewusst eingesetztes Mittel: Der ruhig gehaltene Ton steht im Kontrast zu beweglichen Koloraturen und bekommt dadurch Gewicht. Auch Instrumentalisten kennen die Aufgabe, etwa Streicher beim langen Bogenstrich.
Spielpraxis
Übe den gehaltenen Ton in mittlerer Lage und mittlerer Lautstärke, bevor du Extreme angehst. Halte den Luftstrom gleichmäßig; die häufigste Fehlerquelle ist, zu Beginn zu viel Luft abzugeben und am Ende nachdrücken zu müssen. Achte darauf, dass Vokalfarbe und Kehlkopfstellung sich während des Tones nicht verändern — nimm eine Aufnahme zu Hilfe, weil man das selbst schwer hört. Beginne ohne hörbaren Ansatz und beende ohne Abbruch. Plane den Atem so, dass am Schluss Reserve bleibt, sonst wird der Ton in den letzten Sekunden unruhig.
Diese Fähigkeit ist nicht nur Gesangsübung, sondern musikalisches Mittel: Ein ruhig gehaltener Ton an einer Phrasengrenze wirkt stärker als jede Verzierung. Setze ihn dort ein, wo die Musik Ruhe verlangt. Prüfe beim Üben mit einer Aufnahme, ob Klangfarbe und Tonhöhe wirklich gleich bleiben, weil man das selbst schwer beurteilt. Plane den Atem so, dass am Ende Reserve bleibt. Bei Instrumenten gilt dasselbe Ziel mit anderen Mitteln: gleichmäßige Bogengeschwindigkeit oder ruhige Luftführung.