Mozarabischer Gesang
Liturgischer Gesang der Christen im mittelalterlichen Spanien, dem gallikanischen näher als dem römischen Ritus.
Was es bedeutet
Der mozarabische Gesang, auch altspanischer oder westgotischer Gesang genannt, ist der liturgische Gesang der Christen auf der Iberischen Halbinsel im Mittelalter. Die Mozaraber waren Christen, die unter muslimischer Herrschaft lebten. Ihr Ritus ist enger mit dem gallikanischen Ritus verwandt als mit dem römischen, auf dem der gregorianische Choral beruht.
Musikalische Verwendung
Im späten 11. Jahrhundert wurde in den christlichen Königreichen Spaniens der römische Ritus eingeführt und verdrängte den mozarabischen. Dieser blieb nur in einzelnen Gemeinden und in einer Kapelle im Dom von Toledo erhalten, die um 1500 Kardinal Cisneros stiftete. Die frühen Handschriften verwenden Neumen, die keine genauen Tonhöhen angeben; deshalb lassen sich viele Melodien nicht sicher rekonstruieren.
Abzugrenzen ist der mozarabische Gesang vom gregorianischen Choral, der auf dem römischen Ritus beruht, und vom ambrosianischen Gesang der Mailänder Kirche, der ebenfalls eigenständig blieb.
Spielpraxis
Wenn du mozarabischen Gesang hörst oder singst, achte auf die reiche, oft schwungvolle Melodik und die eigenen Formen der Liturgie. Da die Überlieferung nicht eindeutig ist, sind heutige Aufführungen immer Deutungen und keine gesicherten Rekonstruktionen.