Nachdenklich
Sinnierend, in sich gekehrt.
Was es bedeutet
Nachdenklich ist eine deutsche Vortragsbezeichnung und verlangt einen sinnierenden, in sich gekehrten Vortrag. Die Musik soll klingen, als halte sie inne, um über etwas nachzudenken: ruhig, ohne äußere Wirkung, mit Zeit für Pausen.
Der Sache nach entspricht das Wort dem italienischen pensieroso oder meditativo.
Von verhalten, das Zurückhaltung meint, unterscheidet es sich durch die Richtung: Verhaltenheit hält etwas zurück, Nachdenklichkeit wendet sich nach innen. Von wehmütig unterscheidet es sich dadurch, dass keine Trauer mitschwingen muss — Nachdenken ist nicht notwendig traurig.
Im Notenbild
Das Wort steht über dem System am Beginn eines Satzes oder Abschnitts, in deutschsprachigen Ausgaben anstelle einer italienischen Angabe, und gilt bis zu einer neuen Angabe. Häufig findet es sich zusammen mit langsamen Tempoangaben, leiser Dynamik, Pausen und Fermaten.
Musikalische Verwendung
Verwendet wird die Bezeichnung in Charakterstücken, in Liedern mit entsprechendem Text und in Abschnitten, die einen Moment des Innehaltens darstellen — etwa vor einem Schluss oder zwischen zwei bewegten Teilen. In der Klaviermusik des 19. Jahrhunderts gehört sie zu jenen Angaben, mit denen Komponisten kurze Stücke von persönlichem Ton überschreiben.
Die italienische Entsprechung penseroso ist auch als Werktitel bekannt: Liszt nannte das zweite Stück der Deuxième année: Italie seiner Années de pèlerinage „Il penseroso“; es steht in cis-Moll und bezieht sich auf eine Statue Michelangelos. Kleine Pausen und Dehnungen an Phrasenenden geben den Eindruck des Innehaltens.
Spielpraxis
Lass den Pausen und Fermaten ihr Gewicht; die Stille gehört zum Ausdruck. Halte den Ton zurück und vermeide Betonungen, die nach außen wirken. Gestalte mit kleinen agogischen Freiheiten, als würde die Musik an manchen Stellen zögern. Und halte die Linie dennoch zusammen — Nachdenken ist ein Vorgang, kein Zerfall.