Wehmütig
Wehmutsvoll, schmerzlich.
Was es bedeutet
Wehmütig ist eine deutsche Vortragsbezeichnung und verlangt einen Ausdruck sanfter, rückblickender Trauer. Wehmut ist die Traurigkeit über etwas Vergangenes oder Verlorenes — nicht heftig, sondern still, oft mit einem Anflug von Zärtlichkeit.
Innerhalb der Wörter für Trauer liegen die Unterschiede in der Färbung. Schmerzlich meint den gegenwärtigen, empfundenen Schmerz, schwermütig die lastende, dauernde Traurigkeit, flebile den weinerlichen Ton. Wehmütig bezeichnet die milde, nach rückwärts gewandte Trauer. Die italienische Entsprechung ist am ehesten malinconico oder mesto.
Die Angabe betrifft den Ausdruck, nicht das Tempo, wirkt sich aber darauf aus: Ein wehmütiger Vortrag ist ruhig.
Im Notenbild
Das Wort steht über dem System am Beginn eines Satzes oder Abschnitts, in deutschsprachigen Ausgaben anstelle einer italienischen Angabe, und gilt bis zu einer neuen Angabe. Häufig findet es sich zusammen mit ruhigem Tempo, leiser Dynamik und gesanglicher Melodik, oft im Wechsel zwischen Dur und Moll.
Musikalische Verwendung
Verwendet wird die Bezeichnung in Liedern mit entsprechendem Text, in Charakterstücken und in langsamen Sätzen von lyrischem Ton. In der Musik des 19. Jahrhunderts, die seelische Zustände genau benennt, gehört sie zu den häufigen Vortragswörtern. Charakteristisch ist die Mischung von Trauer und Wärme, die sich musikalisch oft im Schwanken zwischen Dur und Moll zeigt.
Die deutsche Anweisung verlangt einen wehmütigen, sehnsuchtsvollen Ausdruck mit weichem Ton und ruhigem Tempo. Sie ist typisch für Musik der Romantik, in Liedern und Klavierstücken. Wehmut ist leiser als Schmerz: ein Blick zurück, gemischt aus Trauer und Zärtlichkeit. Kleine Verzögerungen, weiche Einsätze und gebundene Linien tragen den Charakter. Die Angabe findet sich in Liedern von Schumann und Brahms und entspricht italienisch malinconico.
Spielpraxis
Halte den Ton weich und die Dynamik zurück; Wehmut wirkt nicht durch Lautstärke. Gib harmonischen Eintrübungen Gewicht, etwa dem Wechsel von Dur nach Moll. Lass die Phrasen sanft ausklingen. Und vermeide Übertreibung — der Ausdruck ist zurückhaltend, nicht klagend.