Flebile
Klagend, wehmütig.
Was es bedeutet
Flebile heißt „weinerlich, klagend" und verlangt einen wehmütigen Ausdruck. Das Wort geht auf flere, „weinen", zurück und gehört zu jener Gruppe von Charakterbezeichnungen, die Trauer und Schmerz benennen. Das italienische Wörterbuch Treccani verzeichnet neben „tränenreich, klagend“ auch die Bedeutung „sanft und wehmütig-süß“.
Innerhalb dieser Gruppe liegen die Unterschiede in der Färbung. Doloroso meint den Schmerz selbst, lamentabile und lamentoso die Klage, mesto die stille Traurigkeit. Flebile bezeichnet den weinerlichen Ton — eine Trauer, die sich leise äußert und im Klang mitschwingt.
Die Angabe betrifft den Ausdruck, nicht das Tempo, wirkt sich aber darauf aus: Ein klagender Vortrag ist in der Regel ruhig.
Im Notenbild
Das Wort steht kursiv über dem System, meist hinter einem Tempowort, und gilt bis zu einer neuen Angabe. Häufig findet es sich zusammen mit Moll-Harmonik, absteigenden Zweitonfiguren und Vorhalten — Mitteln, mit denen die Musik seit dem Barock das Klagen darstellt.
Musikalische Verwendung
Verwendet wird die Bezeichnung in langsamen Sätzen, in Arien und Liedern mit entsprechendem Text und in Instrumentalstücken von klagendem Charakter. Ein bekanntes Beispiel ist der langsame Satz von Paganinis Violinkonzert Nr. 4 d-Moll aus dem Jahr 1829, überschrieben Adagio flebile con sentimento.
Die Anweisung verlangt einen klagenden, weinerlichen Ausdruck mit weichem, oft leisem Ton. Sie steht in langsamen Sätzen und Arien, in denen Trauer oder Mitleid ausgedrückt werden soll. Seufzermotive, fallende Linien und Vorhalte gehören zum musikalischen Material solcher Stellen. Flebile ist verwandt mit lamentoso und doloroso, betont aber stärker das Weiche, Tränenreiche. Das Tempo ist langsam, die Dynamik zurückgenommen. Zurückgenommen heißt dabei nicht dünn: Auch klagende Musik braucht einen tragenden Ton, der die Linie hält.
Spielpraxis
Arbeite die Seufzerfiguren heraus: Gewicht auf dem ersten Ton, Nachgeben auf dem zweiten. Halte die Dynamik zurück — Klage wirkt verhalten stärker als laut. Gib Vorhalten Zeit und lass die Auflösungen leiser werden. Und vermeide Übertreibung; der Ausdruck liegt im Notentext, nicht im Hinzugefügten.